IAEA-Bericht : Libyen plante Herstellung von 10 Kilo Plutonium

2004 wurde überraschend bekannt, dass Libyen an einem geheimen Atomprogramm arbeitete. Damals war noch unbekannt, was nun herauskam: Es gab Pläne für die Herstellung einer großen Menge Plutonium. Eine Bombe hätte die Sprengkraft von Nagasaki 1945 deutlich übertroffen.

WienLibyen verfügte vor der Beendigung seines heimlichen Atomprogramms im Jahr 2004 über technische Pläne zur Produktion von bis zu zehn Kilogramm Plutonium pro Jahr. Dies geht aus einem vertraulichen Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA hervor, den die Wiener UN-Behörde am Freitag den Mitgliedern des IAEA-Gouverneursrats übermittelte.

Dem Bericht zufolge besaß Tripolis genaue Pläne zum Bau einer auf deutscher Technologie basierenden atomaren Wiederaufbereitungsanlage zur Herstellung einer entsprechenden Menge an Plutonium. Sie hätte zum Bau einer Atombombe ausgereicht, deren Sprengkraft die Bombe von Nagasaki 1945 deutlich übertroffen hätte. Diese enthielt 6,1 Kilogramm Plutonium.

Der libysche Staatschef Muammar Gaddafi hatte 2004 überraschend bekanntgegeben, dass sein Land jahrelang über ein geheimes Atomwaffenprogramm verfügte. Gleichzeitig erlaubte er der IAEA, sämtliche Anlagen im eigenen Land zu überprüfen und strahlendes Material zu entsorgen.

Es fehlten technische Informationen

IAEA-Inspekteure fanden dem Report zufolge bei ihren Ermittlungen jedoch keinerlei Gebäude oder Einrichtungen, die auf eine konkrete Umsetzung der Pläne hindeuteten. Außerdem hätten in den gefundenen Plänen einige technische Informationen gefehlt, die für deren Umsetzung nötig gewesen wären.

Offenbar stammten die meisten Pläne, darunter auch Blaupausen für den Bau eines Raketensprengkopfs und für Atombomben, von dem Atomschmuggelring des pakistanischen Wissenschaftlers Abdul Kadir Khan. Dessen Kontakte zu dem nordafrikanischen Land reichten nach den Recherchen der IAEA-Inspekteure bis ins Jahr 1984 zurück, zehn Jahre früher, als bisher angenommen.

IAEA-Chef Mohammed el Baradei bestätigte in seinem Bericht, dass die Untersuchung im Zusammenhang mit dem heimlichen Atomprogramm Libyens mit dem Report abgeschlossen seien. Die Inspekteure würden jedoch ihre routinemäßigen Kontrollen fortsetzen. (mpr/dpa)

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