IAEO : Atompolizei sucht neuen Chef

Zwei Kandidaten sind im Rennen um die Nachfolge von IAEO-Generaldirektor Mohammed al Baradei. Als Favorit gilt der Japaner Yukiya Amano.

Jan Dirk Herbermann

Genf - Die Atompolizei der Weltgemeinschaft sucht einen neuen Chef. Am Donnerstag will die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) in Wien die Wahl zwischen zwei Kandidaten treffen. Um den Job mit vier Jahren Amtszeit konkurrieren Japans IAEO-Botschafter Yukiya Amano (62) und Südafrikas IAEO-Gesandter Abdul Samad Minty (69). Beide haben profunde Kenntnisse von der komplexen Atommaterie.

Als Favorit geht der Japaner in das Rennen um die Nachfolge des amtierenden IAEO-Generaldirektors Mohammed al Baradei. Der Ägypter zieht sich im November zurück. Egal, welcher Bewerber auf al Baradei als oberster Kämpfer gegen die Weiterverbreitung von Atomwaffen folgt: „Für den nächsten Generaldirektor wird zweifellos der Iran die größte Herausforderung sein“, betont Mark Fitzpatrick vom Internationalen Institut für strategische Studien in London.

Denn die Iraner treiben ihr potenzielles Atomwaffenprogramm zielstrebig voran – trotz der Kontrollen durch IAEO-Inspekteure und Sanktionen der Vereinten Nationen (UN). Auch Nordkoreas atomare Abenteuer halten die IAEO seit Jahren in Atem – das abgeschottete Land zündete bereits eine Atombombe. Unlängst machte sich auch Syrien verdächtig, mit einer nuklearen Bewaffnung zu liebäugeln. Zudem ist die IAEO immer mehr im Kampf gegen den nuklearen Schwarzmarkt gefordert. Nicht zuletzt IAEO-Chef al Baradei fordert für seine Organisation mehr Kompetenzen und Ressourcen. Andernfalls sei die Verbreitung von Nuklearwaffen langfristig nicht zu verhindern. Auch muss die IAEO die friedliche Nutzung der Kernkraft fördern – damit spielt die Organisation eine Schlüsselrolle in Zeiten des Klimawandels und versiegender Ölquellen.

Amano, der Mann aus Tokio, fühlt sich diesen Herausforderungen gewachsen. Auf die Zustimmung der Amerikaner, der Deutschen und der meisten anderen Industriestaaten im IAEO-Gouverneursrat kann er sich verlassen. Das 35 Staaten umfassende Gremium muss den neuen Chef mit einer Zweidrittelmehrheit wählen. Die USA und andere westliche Staaten schätzen an Amano vor allem, dass er sich selbst zurücknimmt. In einem Interview sagte er: „Ich sehe mich selbst nicht als Vermittler.“ Als Generaldirektor wolle er eher die Beschlüsse des IAEO- Gouverneursrats ausführen. Der Amtsinhaber al Baradei hingegen versteht seinen Job als politische Mission, er wurde für seine Arbeit mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. So meldete er sich im Streit um Irans Atomprogramm immer wieder zu Wort und reiste nach Teheran. Er warnte: „Bei einem Angriff auf den Iran trete ich zurück.“

Die offene Sprache erzürnte die US-Administration unter George W. Bush. Washington warf al Baradei auch eine zu lasche Haltung gegen den Iran vor. Bushs Team versuchte Ende 2004, Anfang 2005 erfolglos, eine dritte Amtszeit des Ägypters zu vereiteln. Der südafrikanische Kandidat für die Al-Baradei-Nachfolge, Minty, macht klar, dass auch er die Rolle des IAEO-Chefs politisch interpretiert. Der frühere Kämpfer gegen die Apartheid geriet im IAEO-Gouverneursrat schon einige Male mit den USA aneinander – auch wegen des brisanten Dossiers Iran. 

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