Politik : Ich bin an

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Was haben wir uns damals gegruselt, als Ronald Reagan den Weltuntergang angekündigt hat! Sie erinnern sich? 1984, der US-Präsident, Herr über die Roten Knöpfe der größten Atomstreitmacht des Planeten, sitzt in einem Radiostudio und macht eine Mikrofonprobe. „Ich habe soeben die Anweisung zur Auslöschung der Sowjetunion unterschrieben“, spricht der Scherzbold Reagan. „Die Bombardierung beginnt in fünf Minuten.“ Leider war das Mikrofon schon eingeschaltet und sendete. Bloß gut, dass kein roter Spion zugehört und in Moskau Alarm geschlagen hat. Aber auch so schon: Wie peinlich!

Das kann vielleicht nur der in Gänze nachvollziehen, der selbst schon mal ahnungslos vor offenem Mikrofon gesessen hat. Zum Beispiel im Saal der Bundespressekonferenz. Das ist da, wo immer die Regierungssprecher auftreten und manchmal der Kanzler oder der Kanzlerkandidat. In diesem Saal sind viele Mikrofone verteilt, damit Fragesteller gut zu verstehen sind; vor allem aber, damit alle, die durch die interne Standleitung mit dem Saal verbunden sind, alles mithören können.

Die Mithörer sitzen in den Redaktionen hinter den Linden, aber auch in den Ministerien und Parteizentralen. Neulich, Stoiber kam wie üblich später, vertrieben sich drei Journalisten hinten im Saal die Zeit mit angeregter Unterhaltung. Bis eine Kollegin kam, auf das Mikro vor ihnen zeigte und fragte: „Wisst ihr eigentlich, dass jedes Wort von euch voll über den Kanal läuft?“

Tatsächlich – das rote Lämpchen signalisierte: Ich bin an. Wir sehen uns daher zu einer Klarstellung veranlasst. Was wir über den Stoiber gesagt haben – das war nur eine Mikrofonprobe! Robert Birnbaum

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