Politik : „Ich werde mich nicht überfordern“

Gysi kandidiert trotz gesundheitlicher Probleme nochmals für die PDS – und hofft auf Lafontaines Hilfe

Sabine Beikler

Berlin – Steht er unter Druck, befeuchtet Gregor Gysi gern mit schnellen Zungenbewegungen seine Oberlippe. Als der PDS-Politiker am Freitag in der Parteizentrale der PDS seine Spitzenkandidatur der PDS verkündete, war er sichtlich nervös und musste sich erst einmal warm reden. Ja, „für den Fall von Neuwahlen“ werde er kandidieren, ja, er wolle auch gerne mit dem früheren SPD-Parteichef Oskar Lafontaine in den Wahlkampf ziehen. „Ich setze mich für ein Linksbündnis mit der Wahlalternative ein“, sagte Gysi. Doch noch ist nicht entschieden, ob es zu einem Bündnis zwischen den Sozialisten und der Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit (WASG) kommt. „Wir stecken noch in Verhandlungen“, sagte PDS-Parteichef Lothar Bisky. Seine Worte klingen aber optimistischer als noch vor einer Woche.

Bisky wollte eine mögliche Umbenennung der PDS nicht ausschließen, um WASG-Vertretern eine Kandidatur auf offenen Listen zu erleichtern. Bisher hat Klaus Ernst vom WASG-Bundesvorstand eine Kandidatur auf PDS-Listen gegenüber dem Tagesspiegel „definitiv ausgeschlossen“. Anfang kommender Woche wollen PDS und WASG die Verhandlungen über ein Linksbündnis beenden.

Gregor Gysi, Ex-PDS-Partei- und Fraktionschef und ehemaliger Berliner Wirtschaftssenator, hat sich seine Entscheidung nicht leicht gemacht. Nach drei Herzinfarkten und einer schweren Kopfoperation trägt der PDS-Politiker ein hohes Gesundheitsrisiko. „Ich darf und werde mich im Wahlkampf nicht überfordern und meine Familie keinen Tag vergessen“, sagte er. Den „Ausbeutungsstress“ wie früher wolle er so nicht mehr auf sich nehmen. Er wolle auch weiterhin als Anwalt in einer West-Berliner Kanzlei tätig bleiben. Der 57-Jährige will im Ost-Berliner Wahlkreis Treptow-Köpenick antreten, in dem die PDS bisher kein Direktmandat gewonnen hatte. Für Gysi eine „Herausforderung“. Sollte er in den Bundestag einziehen, werde er Verantwortung in der Fraktionsspitze übernehmen. „Gern zu zweit“, sagte er und meinte damit Lafontaine.

Die PDS sieht laut Gysi in den vorgezogenen Neuwahlen die Chance, sich als Alternative zum „neoliberalen Zeitgeist“ und ihre politischen Gegenentwürfe wie die „Agenda Sozial“ zu präsentieren.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben