Politik : Ideen und Patente: Berlin in Europa vorn

Studie: Hauptstadt ist zweitstärkster Innovationsstandort / DIW: Regierungsumzug brächte 800 Millionen

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Berlin – Nur wenige Wochen nach dem für Berlin enttäuschenden Urteil des Bundesverfassungsgerichtes über die Finanzausstattung des Landes zeigen zwei Studien, wo die Stärken und eigenen Potenziale der Hauptstadt liegen: Berlin ist nach Baden-Württemberg und vor der Ile de France, der Gegend rund um Paris, die innovationsstärkste Region Europas. Das ergibt sich aus einem Gutachten des Statistischen Landesamtes Baden-Württembergs. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) stellt zudem Überlegungen über einen Komplettumzug der Ministerien nach Berlin an: „Die Wirtschaftsleistung der Stadt würde um 800 Millionen Euro im Jahr steigen, die Steuerkraft um 100 Millionen Euro zunehmen“, sagte DIW-Forscher Dieter Vesper dem Tagesspiegel.

Damit attestieren die Wissenschaftler Berlin eine überraschende Stärke in den beiden strategisch wichtigen Funktionen als Haupt- und Wissensstadt. Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) sagte, er wolle dieses Potenzial künftig stärker nutzen. Er werde schon bald noch mehr „gemeinsame Ziele“ für Wissenschaft und Wirtschaft formulieren, sagte er dem Tagesspiegel. Das gute Berliner Abschneiden habe vor allem mit der starken Berliner Wissenschaft, den außeruniversitären Forschungsinstituten und den vielen jungen Unternehmern zu tun. Darin liegen für Wolf auch die größten Chancen: Er will junge Unternehmer und Forscher noch enger zusammenbringen. Da gebe es auch noch „erhebliche Potenziale“, so Wolf.

Jan Eder, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Berlin und Mitglied in der Enquete-Kommission „Zukunft für Berlin“ des Abgeordnetenhauses, mahnt: „Berlin hat herausragendes Potenzial, aber wir müssen aufpassen, dass es dabei auch bleibt. Es wäre ein Fehler zu glauben, die Chancen ergäben sich jetzt von selbst. Exzellenz kostet Geld.“ Zuletzt hatte es keine der Berliner Universitäten geschafft, in der Exzellenzinitiative der Bundesregierung berücksichtigt zu werden. Aus Berlin kämen zwar gute Ideen – aber produziert würden diese Ideen nach wie vor woanders. Darüber hinaus fordert die IHK, dass die in Bonn „verbliebenen Ministerien so bald wie möglich nach Berlin umziehen“.

Selbst die Aussichten der Hauptstadt, mit ihrem neuen Flughafen als Drehkreuz für den Osteuropa-Verkehr eine Chance zu bekommen, werden nicht mehr ganz so skeptisch gesehen wie noch vor Monaten: Stefan Höffinger, Vizepräsident der Unternehmensberatung A.T. Kearny, hat den Luftverkehrsmarkt untersucht und sagt, dass „Berlin ein großes Aufholpotenzial hat“. In einem Markt, der immer noch wachse, könne sich Berlin eine gute Stellung erarbeiten – wenn sich die Stadt geschickter anstelle als bisher.Tsp

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