Politik : IG Metall fordert Einführung der 32-Stunden-Woche

Überraschende Initiative auf Beschäftigungsgipfel / Ablehnung der Arbeitgeber / CDU: Griff in Mottenkiste BERLIN (Schl.).Die IG Metall setzt zur Schaffung neuer Arbeitsplätze auf eine generelle 32-Stunden-Woche und eine individuelle Vier-Tage-Woche.Ihr Vorsitzender Zwickel unterbreitete auf dem DGB-Beschäftigungsgipfel am Mittwoch in Berlin überraschend ein zweistufiges Konzept für die Metallindustrie, das Arbeitszeitverkürzungen und einen differenzierten Lohnausgleich vorsieht.SPD-Chef Lafontaine sicherte Zwickel die Unterstützung seiner Partei zu.Dagegen lehnten Arbeitgeber und Koalitionsparteien den Vorschlag ab.Eine generelle weitere Verkürzung der Arbeitszeit schaffe keine neue Stellen. -Zwickel schlug vor, sich bis 1998 - solange gilt in der Metallindustrie der Manteltarifvertrag - auf die Anwendung der bestehenden Beschäftigungssicherungsverträge, auf Freizeitausgleich für Überstunden und eine Vereinbarung über Altersteilzeit zu konzentrieren.Von 1999 an wolle die IG Metall auf weitere Arbeitszeitverkürzung setzen.Ein vollständiger Lohnausgleich sei kaum durchsetzbar, sagte Zwickel, und "ein vollständiger Lohnverzicht ist kaum zumutbar".Denkbar sei deshalb ein Lohnausgleich differenziert nach Einkommensgruppen oder nach Beschäftigungseffekten.Indirekt deutete er an, zur Finanzierung auch Lohnkostenzuschüsse heranzuziehn.Ausdrücklich verlangte er eine offene Diskussion über seinen Vorschlag. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall lehnte den Vorstoß ab.Er setze fahrlässig weitere Hunderttausende Stellen aufs Spiel und schrecke potentielle Investoren ab.Bereits jetzt sei die Jahresarbeitszeit im internationalen Vergleich in Deutschland am kürzesten.Arbeitgeberpräsident Hundt sagte, den Weg der Arbeitszeitverkürzung als Mittel gegen Arbeitslosigkeit fortzusetzen, sei falsch.Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) bezeichnete ihn als "Droge, die letztlich nicht zu mehr, sondern zu weniger Beschäftigung" führen werde.CDU-Generalsekretär Hintze nannte Zwickels Vorschlag einen "Griff in die Mottenkiste" und favorisierte flexible Arbeitszeitmodelle. Der DGB-Vorsitzende Schulte begrüßte dagegen Zwickels Initiative.Er verstünde sie als Angebot, offen und ehrlich über die Chancen eines solchen Weges zu reden, sagte er zum Abschluß des Beschäftigungsgipfels.Schulte wertete das Treffen als Signal zum Aufbruch in den Kampf gegen die Massenarbeitslosigkeit.Das Treffen sei ein Wagnis, aber keine Konsensveranstaltung gewesen.Das erste Ziel sei erreicht worden, "nämlich wachzurütteln, klar zu machen, daß schon viel zu viel Zeit verschenkt wurde".Die Menschen verlangten, daß gehandelt werde. Die vor dem Treffen vom DGB angekündigte "Agenda 2000", in der sich die Teilnehmer aus Gewerkschaften, Politik, Wirtschaft, Kirchen und Verbänden verpflichten sollten, eine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt noch in diesem Jahr einzuleiten, wurde nicht verabschiedet.Der Entwurf der Agenda, der dem Tagesspiegel vorliegt, sei im Abstimmungsprozeß der Beteiligten "hängengeblieben".Darin wird unter anderem eine sozialökologische Reformstrategie angemahnt, die "der Schaffung attraktiver Arbeit und der gerechten Verteilung vorhandener Arbeit gleichermaßen Vorrang einräumt".

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