Illegales Atomprogramm : Atomschmuggelprozess in Südafrika

Ein Deutscher steht in Johannesburg wegen Atomschmuggels vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, in das mittlerweile beendete illegale Atomprogramm der libyschen Regierung verstrickt gewesen zu sein.

JohannesburgIn Südafrika beginnt heute ein Prozess um den mutmaßlichen Schmuggel von Atomtechnologie für Libyen. Ein deutscher Geschäftsmann und ein aus der Schweiz stammender früherer Mitarbeiter müssen sich dabei wegen ihrer mutmaßlichen Verwicklung in das weltweite Beschaffungsnetz um den "Vater der pakistanischen Atombombe", Abdul Quadeer Khan, verantworten. Khan hatte neben Libyen auch den Iran und Nordkorea mit Atomtechnik versorgt. Die Angeklagten stehen im Verdacht, die Fertigung eines Bauteils für das 2003 bekanntgewordene und beendete libysche Atomwaffenprogramm überwacht und koordiniert zu haben. Beide bestreiten das.

Der Richter wird nach Angaben der Staatsanwaltschaft über einen Antrag auf Vertagung befinden müssen. "Beide Parteien - die Anklage und die Verteidigung - haben sich darauf geeinigt, den Prozess auf den 4. September zu vertagen", erklärte Sprecher Panyasa Lesufi. Gründe dafür nannte er nicht. Der Prozess sollte nach dem Willen der Staatsanwaltschaft zunächst unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Das Oberlandesgericht Pretoria hatte aber im Mai einen entsprechenden Antrag abgelehnt.

Der eigentliche Hersteller des umstrittenen Bauteils - eines komplexen Rohrsystems, das für die Hochanreicherung von Uran geeignet gewesen sein soll - genießt als Zeuge der Anklage Straffreiheit. Ein erster Atomschmuggelprozess in Mannheim gegen einen deutschen Manager, der mit den beiden Angeklagten in geschäftlicher Verbindung gestanden haben soll, war im vergangenen Jahr geplatzt. Der Fall soll nun neu aufgerollt werden. (mit dpa)

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