Politik : Im Auftrag des Friedens

Papst Johannes Paul II. schickt einen Gesandten nach Bagdad

Thomas Migge[Rom]

„Dieser Krieg muss unter allen Umständen verhindert werden.“ Mit diesen Worten wandte sich am Sonntag Papst Johannes Paul II. beim traditionellen Angelusbeten auf dem Petersplatz an die Gläubigen. Während seiner kurzen Ansprache wirkte der Papst gesundheitlich weitaus weniger angeschlagen als in letzter Zeit. „Das Problem eines möglichen Waffengangs gegen den Irak, beschäftigt den Papst und weckt in ihm scheinbar ungeahnte Kräfte“, sagte der Vatikanexperte Sandro Magister vom Wochenmagazin „L’Espresso“. Politische Beobachter sind davon überzeugt, dass Johannes Paul II. der Motor einer neuen vatikanischen Friedensinitiative ist.

Der Vatikan beschäftigt bereits seit mehreren Wochen, seitdem sich die Anzeichen für einen möglichen Militärschlag der USA gegen Bagdad mehren, mit der Verhinderung einer kriegerischen Auseinandersetzung. Schon mehrfach nahm Johannes Paul II. bei verschiedenen Anlässen zu diesem Thema Stellung. Entweder direkt oder indirekt, in dem er die UN und namentlich nicht genannte Staaten an ihre Verpflichtung erinnerte, einen Krieg zu vermeiden und friedlich zu einer Lösung zu gelangen.

Auch am Wochenende, bei den Feierlichkeiten zum 35. Bestehen der Organisation Sant’Egidio in Rom, die sich in Italien und im europäischen Ausland für Arme und Obdachlose einsetzt, erinnerte der Papst daran, dass „man sich nicht mit der Unvermeidbarkeit eines Krieges abfinden darf“. Eine Einstellung, die von der römischen Kurie geteilt wird. Das vatikanische Hausorgan „Osservatore Romano“ schrieb, dass die von US-Außenminister Colin Powell vor einigen Tagen vor dem UN-Sicherheitsrat vorgetragenen Beweise gegen Saddam Hussein „wenig überzeugen”. Das Blatt zitierte den Papst mit den Worten, dass „die Bemühungen um die Friedenserhaltung intensiviert werden müssen“.

Der Vatikan will es allerdings offenbar nicht nur bei schönen Worten belassen. Wie Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls am Sonntag mitteilte, reist Kardinal Roger Etchegaray, der im Ruhestand befindliche Präsident des Päpstlichen Rates für Frieden und Gerechtigkeit, an diesem Montag nach Bagdad. Der Franzose gilt als Mann der schwierigen Missionen. Zuletzt machte er international von sich reden, als Papst Johannes Paul II. ihn nach Bethlehem schickte, um dort zwischen der israelischen Regierung und jenen Palästinensern zu verhandelt, die sich in der Geburtskirche verschanzt hatten.

Begleitet wird Etchegaray von einem Berater, Monsignore Franco Coppola. Es handelt sich den Planungen nach keineswegs nur um eine kurze Visite. Der Kardinal wird voraussichtlich, berichtet die Zeitung „Corriere della Sera“, vier oder fünf Tage oder auch länger im Irak bleiben. Seine Aufgabe werde es sein, den irakischen Präsidenten davon zu überzeugen, enger als bisher mit den UN-Waffenkontrolleuren zusammenzuarbeiten. Unbestätigten Berichten zufolge soll Etchegaray sogar bis zum 18. Februar im Irak bleiben, bis zu dem vereinbarten Zusammentreffen in Rom zwischen Johannes Paul II. und Kofi Annan.

Aus gut informierten Kreisen im Vatikan wurde am Wochenende weiter bekannt, dass der Papst alles in seiner Kraft Stehende unternehmen will, damit sich die USA und Großbritannien an die Entscheidungen der Vereinten Nationen halten und keinen Alleingang gegen den Irak unternehmen. Aus diesem Grund sollen Unterhändler des Vatikans in den kommenden Tagen auch in Washington und in London vorstellig werden. Geplant ist dabei auch ein Gespräch mit US-Präsident George W. Bush.

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