Politik : Im Auftrag von Al Qaida

Ein Tunesier soll Anschläge in Deutschland geplant haben

Frank Jansen

Die Erkenntnisse sind frustrierend, vor allem für das US-Militär. Den deutschen Sicherheitsbehörden liegen offenbar konkrete Hinweise vor, dass Al Qaida noch lange nach dem Einmarsch der US-Armee in Afghanistan im Oktober 2001 von dort aus Anschläge planen konnte – unter anderem in der Bundesrepublik. So sei der Tunesier Ihsan G. zu einem noch nicht genau bekannten Zeitpunkt zwischen Herbst 2001 und November 2002 in Afghanistan von einem Al-Qaida-Mitglied beauftragt worden, in Deutschland eine Terrorgruppe aufzubauen und Attentate auf amerikanische und jüdische Einrichtungen zu verüben, heißt es in Sicherheitskreisen. Ihsan G. wurde im März 2003 in Berlin festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Die Bundesanwaltschaft erhob im Januar 2004 Anklage gegen den Tunesier, vermutlich beginnt nach Ostern der Prozess am Berliner Kammergericht.

Der seit 1996 in Deutschland lebende Ihsan G. sei von April bis Juli 2001 über Tunesien, Saudi-Arabien und Pakistan zu einem Al-Qaida-Camp in Afghanistan gereist, sagen Sicherheitsexperten. Dort habe sich G. im Umgang mit Waffen und Sprengstoff trainieren lassen. Anschließend sei er selbst in einem afghanischen Lager als Ausbilder tätig gewesen und habe Osama bin Laden kennen gelernt. Ihsan G. habe auch von Afghanistan aus Personen in Deutschland angerufen, um sie für ein Training in einem afghanischen Camp zu rekrutieren. Nach dem Terrorangriff am 11. September 2001 habe dann ein Al-Qaida-Anführer dem Tunesier den Auftrag zu Terroraktionen in Deutschland erteilt. Wer diese Führungsfigur war, sei allerdings nicht bekannt, sagen die Experten. Ihsan G. gebe keinen Namen preis und bestreite, in Afghanistan gewesen zu sein.

Im November 2002 habe Ihsan G. Afghanistan verlassen und sei über Pakistan nach Südafrika gelangt. Dort habe er sich Schaltpläne für Zündauslösevorrichtungen besorgt. Außerdem habe er Kontakt zu Bekannten aus der Berliner Al-Nur-Moschee aufgenommen und ihnen gesagt, er komme „mit einem Auftrag“. Im Januar 2003 sei Ihsan G. in Deutschland eingereist. Die Experten sind sicher, dass durch die Festnahme im März schwere Anschläge verhindert wurden. Außerdem habe Ihsan G. geplant, sich nach den Attentaten in Richtung Afghanistan abzusetzen. Osama bin Laden wird im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet vermutet. Derzeit versuchen amerikanische und pakistanische Truppen mit einer neuen Offensive, die Refugien von Al Qaida und Taliban auszuheben.

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