Politik : Im Bann des alten Herrn - Kritik an CDU-Generalsekretärin Merkel (Kommentar)

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Angela Merkel hat Wind gesät, nun erntet sie Sturm. Ihre Aufforderung an die Partei, sich von Helmut Kohl zu emanzipieren, wird erwartungsgemäß mit Kritik überzogen. Erwartungsgemäß, weil die Kohl-Anhänger das Ende ihres Idols nicht verwinden können. Und dieses Ende im Sumpf einer Parteispendenaffäre schon gar nicht. Doch selbst aus den Äußerungen angeblicher Hoffnungsträger spricht noch die Angst vor den eigenen Anhängern, unter denen Kohl nach wie vor ein großes Maß an Zustimmung genießt. Bei Volker Rühe etwa, der schon im Februar die Wahl in Schleswig-Holstein gewinnen will und den Kern der CDU-Anhänger nicht mit forscher Distanzierung vergrätzen möchte. Kohls Reputation in der Partei ist so groß wie einst die von Konrad Adenauer. Aber wollte nicht eben dieser Kohl den Adenauerschen Kanzlerwahlverein namens CDU zur modernen Volkspartei machen? Darin liegt die Ironie im Vorgehen Merkels: Sie macht mit Kohl nur, was Kohl einst selbst vorgemacht hat. Sie ist fürwahr einmal seine gelehrige politische Ziehtochter gewesen. Der Umgang mit ihrer provokanten Haltung wird zum Lackmustest auf die neue CDU nach Kohl, die Parteichef Wolfgang Schäuble versprochen hat. Zustimmende Äußerungen für Angela Merkel sind über die Feiertage freilich nicht zu vernehmen gewesen. Abwarten heißt die Devise. Bloß nicht zu früh reden. Merkel kann nun schaden, dass sie zur Unzeit mutig und offen gewesen ist. Kohls einstiger Kanzleramtsminister Friedrich Bohl hat gesagt, dieses Vorgehen der Generalsekretärin entspreche nicht dem Stil der CDU. Hört, hört.

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