Politik : Im Durchschnitt sind alle Durchschnitt (Kommentar)

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Der Patient kennt den Arzt, aber er versteht nichts von Medizin. Und von seinen persönlichen Gesundheitskosten weiß er auch nichts. Der Patient kann also den ökonomisch-medizinischen Erfolg seines Arztes nicht bemessen. Die Krankenkassen kennen den Arzt nur als statistische Größe und dessen Patienten nur über seine Laborwerte. Auch sie können daher die Qualität eines Arztes nicht beurteilen. Die nun nachgereichte Erläuterung, man wolle nicht den Erfolg bei einem Patienten messen, sondern den Durchschnittserfolg des Arztes, verbessert nichts. Denn natürlich sind die Patienten in Charlottenburg im Durchschnitt anders als in Kreuzberg oder in Marzahn. Daran aber kann der Arzt nichts ändern. Folglich ist der Vorschlag, den Ärzten Erfolgshonorare zu bezahlen zwar recht schön, aber völlig unrealistisch. So lässt sich der Kostenanstieg im Gesundheitswesen nicht bremsen. Es hilft alles nichts: Weniger Kosten gibt es nur bei mehr Wettbewerb. Der ist nur möglich, wenn der Patient auswählen kann. Das bringt nur etwas, wenn er auch unter ökonomischen Gesichtspunkten auswählen muss - indem er an den Kosten beteiligt wird. Auch im Gesundheitswesen geht der Sozialismus also zu Ende. Wie schade.

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