Politik : Im Fall Metzler wird gegen SEK-Beamte ermittelt

Eltern der Freundin des mutmaßlichen Mörders erheben schwere Vorwürfe: Maskierte Polizisten sollen ihre Tochter misshandelt haben

Jürgen Schreiber

Frankfurt (Main). Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt nach Tagesspiegel-Informationen gegen Beamte des Sondereinsatzkommandos (SEK), das den mutmaßlichen Entführer und Mörder Jakob von Metzlers festgenommen hat. Die Staatsanwaltschaft bestätigte auf Anfrage Ermittlungen gegen Unbekannt wegen des Vorwurfs der Bedrohung zum Nachteil der Freundin des Tatverdächtigen Magnus G.

Den Informationen zufolge ist ein Teil der Beamten, die am 30. September vergangenen Jahres den Wagen von G. in der Tiefgarage des Frankfurter Flughafens gestoppt haben, maskiert aufgetreten. G. war mit seiner Freundin K. unterwegs. K’s Vater schilderte dem Frankfurter Landgericht am 10. April schriftlich die Umstände des Zugriffs. Demnach sei seine 16 Jahre alte Tochter an den Haaren gefasst, über den Boden geschleift sowie „öffentlich unter Gewaltandrohung nackt ausgezogen“ worden. Die Eltern schreiben, „die Professionalität“ der Kommandoführung habe in der „mehrfachen massiven Androhung von Massenvergewaltigung durch die Einsatzkräfte“ gegipfelt. Der Vorgang sei eine Blamage für „zivilisierte rechtsstaatlich handelnde Polizeiprofis“.

Im Zuge der Ermittlungen ist nach Tagesspiegel-Recherchen am Frankfurter Flughafen ein Video von der Festnahme in der Tiefgarage gesucht worden. Die Parkdecks werden ständig optisch überwacht. Ob etwas beschlagnahmt wurde, ist nicht bekannt. Dem Vernehmen nach liegen keine Aufnahmen vom SEK-Zugriff selbst vor. Insider vermuten, das Material sei vernichtet worden. Die Einheiten dokumentieren sonst alle Aktionen auf Film, wird berichtet. Zehn Vermummte und drei Polizisten in Zivil sollen an der Festnahme beteiligt gewesen sein.

Der vor dem Frankfurter Landgericht angeklagte Magnus G. hat gestanden, den elfjährigen Jakob am 27. September entführt und getötet zu haben. Die Polizei observierte G. seit der Nacht zum 30. September, als er das Lösegeld von einer Million Euro abholte. Im Tatzeitraum war er meist mit K. zusammen. Sie war in die Erpressung nicht eingeweiht. Die Polizei ging offensichtlich davon aus, Jakob könnte in ihrem Frankfurter Umfeld versteckt werden. Die Staatsanwaltschaft gab zu Einzelheiten wie der Suche nach den Polizeivideos keine Auskunft. In der Behörde ist man allerdings verwundert über den späten Zeitpunkt der elterlichen Äußerung und schließt prozesstaktische Überlegungen nicht aus. K. muss als Zeugin im Verfahren gegen ihren Freund auftreten. Laut ärztlicher Stellungnahme ist die Schülerin seit dem SEK-Einsatz traumatisiert. Von einer weitgehenden und nachhaltigen Zerstörung ihrer Persönlichkeit durch die Aktion ist die Rede.

Wie berichtet, wird in dem Fall bereits gegen Frankfurts Polizei-Vizepräsident Wolfgang Daschner wegen des Verdachts der Aussageerpressung ermittelt. Eine Anklage gilt inzwischen als sicher.

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