Politik : Im Griff der Clans

Pakistans Islamisten setzen die Regierung immer mehr unter Druck

Ruth Ciesinger

Niemand gibt es zu, doch die Verantwortlichen in Pakistan haben Angst. Am Sonntag werden sieben Regierungschefs in der Hauptstadt Islamabad zum Gipfel der Südasiatischen Vereinigung für Regionale Kooperation (Saarc) erwartet. Neben Gastgeber Pakistan sind das Indien, Nepal, Sri Lanka, Bangladesch, Bhutan und die Malediven. Islamische Extremisten könnten das Treffen zum Anlass nehmen, um mit einem Attentat auf sich aufmerksam zu machen. Denn erst im Dezember war Pakistans Präsident Pervez Musharraf knapp zwei Anschlägen entgangen; bei dem zweiten Attentat kurz nach Weihnachten starben 18 Menschen.

Zwar versicherte Musharraf den nach Islamabad eingeladenen Regierungschefs, ihre Sicherheit sei nicht gefährdet. Doch bis zum Ende der Woche war nicht klar, ob sie alle in die pakistanische Hauptstadt kommen würden. Auch eine Verschiebung des Treffens wurde erwogen. Denn Pakistans Präsident hat zunehmend Schwierigkeiten mit dem islamistischen Widerstand im Land.

Aus zwei Gründen: Zum einen muss sich Musharraf wegen des amerikanischen Drucks im Kaschmir-Konflikt mit Indien um Zusammenarbeit mit dem Erzfeind bemühen. So nahmen Pakistan und Indien am Donnerstag nach fast zweijähriger Pause den Flugverkehr zwischen beiden Ländern wieder auf. Zum anderen ist Pakistan seit dem 11. September 2001 einer der wichtigsten Verbündeten der USA im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Denn ohne die Unterstützung Pakistans hätte die US-Armee den Krieg in Afghanistan rein logistisch nicht führen können.

Das Problem dabei: Pakistan war vor dem 11. September der Staat, der die afghanischen Taliban am meisten unterstützt hat. Islamabad war weltweit die einzige Hauptstadt, in der die Gotteskrieger eine Botschaft unterhielten. So kam es auch nicht ganz überraschend, dass die islamistischen Parteien bei den Wahlen vor 14 Monaten mächtig zulegten. Vor allem im Grenzgebiet zu Afghanistan siedeln Clans in Stammesgebieten, die traditionell weitgehend unabhängig sind. Sie zahlen keine Steuern, und die nationalen Gesetze gelten dort nur, wenn sie auch wirklich verkündet werden. Diese Stämme sind es, die nach wie vor die Taliban unterstützen und in deren Gebiet auch immer wieder Al-Qaida-Chef Osama bin Laden und sein Stellvertreter Mullah Omar vermutet werden. In diese Gebiete wagt sich selbst die pakistanische Armee nicht hinein.

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