Politik : Im Januar suchten 4 823 184 Menschen eine Arbeitsstelle

Im Osten Deutschlands ist die Lage besonders schlimm / Bundestag debattiert heute über Beschäftigungspolitik NÜRNBERG/BONN (AP/dpa).Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland hat eine neue Rekordhöhe erreicht.Im Januar waren 4 823 184 Menschen arbeitslos gemeldet.Die Erwerbslosenquote stieg damit bundesweit auf 12,6 Prozent.Im Dezember hatte sie noch bei 11,8 Prozent gelegen.Angesichts des neuen Negativrekords wollen heute Arbeitslose in mehr als 250 Städten nach französischem Vorbild gegen Stellenabbau und die verschärften Auflagen für Stellensuchende protestieren.Die Beschäftigungsinitiative der Bundesregierung, die heute in den Bundestag eingebracht werden soll, stieß auf Kritik. Besonders dramatisch wuchs im Januar die Zahl der Arbeitslosen in den neuen Ländern, wo im Januar 21,1 Prozent der Erwerbsfähigen oder 1 587 718 Menschen ohne Arbeit waren.Im Januar 1997 hatte sie noch bei 18,9 Prozent gelegen.Im Westen stieg die Zahl zwar im Vergleich zum Vormonat, sank aber im Vergleich zum Januar 1997.Damals wie jetzt lag die Quote bei 10,5 Prozent, aber im Januar 1998 waren 3 235 466 Menschen betroffen, 13 476 weniger als vor einem Jahr.Im Dezember 1997 hatte die Quote in den alten Ländern 9,9 Prozent betragen. Bei dem Aktionstag der Arbeitslosen sind nach Angaben der Bielefelder Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen die friedliche Besetzung von Arbeitsämtern sowie Demonstrationen vor Börsen und Unternehmen geplant.So wollen Erwerbslose die Türen der Arbeitsämter mit Bewerbungsschreiben zukleistern und im Amt übernachten. Bundesarbeitsminister Norbert Blüm forderte Arbeitgeber und Gewerkschaften auf, mehr Kreativität im Abbau von Arbeitslosigkeit zu zeigen.Anläßlich eines Besuches in der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg sagte der CDU-Politiker: "Jetzt ist die Zusammenarbeit aller Gutwilligen gefragt, mit konkreten Projekten und neuen Ideen zu helfen." Der Vorsitzende der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft, Roland Issen, warf der Regierung dagegen "beschäftigungspolitischen Bankrott" vor. Die Beschäftigungsinitiative der Bundesregierung, die am Donnerstag im Bundestag offiziell vorgestellt werden soll, wurde unterschiedlich aufgenommen.Der DGB nannte die Initiative eine wirkungslose Beruhigungspille, die IG Bau sprach von einer Mogelpackung.SPD-Bundesgeschäftsführer Franz Müntefering sprach von "Skandal" und "Sauerei".Die Spitzenorganisation der Industrie- und Handelskammern wertete die Initiative dagegen als sinnvollen Schritt.

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