Politik : Im Konflikt um Südossetien sucht Tiflis Hilfe der Nachbarn

Moskau/Tiflis - Der Konflikt zwischen Georgien und der abtrünnigen Kaukasusrepublik Südossetien ist am Freitag eskaliert. Die Regierung Südossetiens ordnete eine „Generalmobilmachung“ an, wie eine Regierungssprecherin mitteilte. Dies sei eine Reaktion auf die Angriffe der georgischen Truppen, bei denen drei Menschen getötet und zehn weitere verletzt worden seien. Georgiens Regierung in Tiflis bestritt einen Angriff. Man habe aber auf den Beschuss georgischer Dörfer aus Südossetien reagiert. Russland und die OSZE äußerten sich besorgt.

Südossetien und Abchasien hatten sich nach dem Ende der Sowjetunion in Unabhängigkeitskriegen von Georgien gelöst. Völkerrechtlich gehören sie weiter zu Georgien, sind jedoch wirtschaftlich von Russland abhängig. Mitte April hatte Moskau angekündigt, seine Zusammenarbeit mit beiden Regionen zu vertiefen, und Tiflis damit zutiefst verärgert. Tiflis wirft Moskau vor, es wolle Georgien mit dieser Politik schwächen und einen NatoBeitritt verhindern.

Angesichts der Spannungen mit Russland war es für Georgiens Präsidenten Michail Saakaschwili eine mehr als glückliche Fügung, dass der zweitägige Gipfel prowestlich orientierter Ex-Sowjetrepubliken und osteuropäischer Neumitglieder von Nato und EU in dieser Woche in Georgien stattfand. Tief enttäuscht, dass der Westen Georgien gegen die Separatisten nur verbal unterstützt, sucht Tiflis jetzt den Schulterschluss mit Leidensgenossen: mit Moldau, dessen Region Transnistrien sich 1992 für souverän erklärte, und mit Aserbaidschan, das 1988 Bergkarabach verlor. Polens Präsident Lech Kaczynski und Litauens Waldas Adamkus sagten beim Gipfel ausdrücklich zu, Georgiens staatliche Integrität zu unterstützen und dem Land zum Nato-Beitritt verhelfen zu wollen. AFP/win

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