Politik : "Im Kosovo keinen Tag mehr verlieren"

NEW YORK/PRIZREN/BERLIN (Tsp). Bundesaußenminister Fischer hat an UN-Generalsekretär Annan appelliert, sich verstärkt um den Aufbau der zivilen Übergangsverwaltung im Kosovo zu bemühen. Er verwies am Mittwoch vor einer Außenminister-Konferenz zum Kosovo in New York darauf, daß die notwendigen Personalentscheidungen schnell getroffen werden müßten: "Wir können keinen einzigen Tag mehr verlieren." Im Kosovo gehe es vor allem um eines: "Wir müssen die Herrschaft des Rechts statt der Herrschaft der Rache errichten." Annan hatte zur Eröffnung der Konferenz versichert, daß die UN beim Aufbau ziviler Strukturen im Kosovo ihr "Äußerstes tun werden". Annan hatte 16 Staaten und drei internationale Organisationen in einem "Kosovo-Freundeskreis" zusammengefaßt, in dem die Grundlagen für die Übergangsverwaltung gelegt werden sollen.

Der Hohe Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) appellierte indes an Deutschland, Kosovo-Flüchtlinge nicht vor dem nächsten Frühjahr zurückzuschicken. Bund und Länder sollten zudem Kosovo-Albanern weiterhin die Einreise zur Familienzusammenführung oder aus anderen humanitären Gründen gestatten. Der UNHCR reagierte damit auf Forderungen der Innenminister, den Zustrom von Flüchtlingen zu stoppen.

Die Ermittler des UN-Kriegsverbrechertribunals haben derweil nach eigenen Angaben im Kosovo "Berge von Dokumenten" sichergestellt, die die Anklage gegen Jugoslawiens Staatschef Milosevic untermauern. Unterdessen hielt der Strom flüchtender Serben aus dem Kosovo und von albanischen Rückkehrern an. Britische Soldaten erschossen südlich von Pristina einen Serben, der sie mit einer Pistole bedroht hatte. Der russische Außenminister Iwanow prangerte am Mittwoch als erster ranghoher Politiker seines Landes öffentlich die repressiven Maßnahmen Belgrads gegen die Albaner im Kosovo vor dem Einmarsch der Friedenstruppe KFOR an.

Die serbische Oppositionspolitikerin und Bürgerrechtlerin Vesna Pesic glaubt nicht, daß Albaner und Serben im Kosovo so bald friedlich zusammenleben können. "Niemand kann die Serben zurückhalten, das Kosovo zu verlassen, weil es für sie keine Sicherheit mehr gibt."

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