Politik : Im Mittelmeer verdurstet

Mehr als 50 Afrikaner sterben auf der Flucht.

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Rom - Sie waren Ende Juni in der Nähe von Tripolis Richtung Italien in See gestochen: insgesamt 55 junge Afrikaner, die meisten aus Eritrea und Somalia. Doch sie sind nie an ihrem Ziel angekommen. 54 von ihnen sind auf der zweiwöchigen Odyssee gestorben. Der einzige Überlebende, ein Eritreer, wurde in der Nacht zu Dienstag von der tunesischen Küstenwache gerettet. Er war, an die Überreste des Schlauchboots geklammert, von tunesischen Fischern entdeckt worden, die sofort die Behörden alarmierten.

Nach Angaben des Überlebenden hatten es die Flüchtlinge bereits bis auf Sichtweite der sizilianischen Küste geschafft. Dann sei der Motor verreckt, ein starker Wind habe sie wieder auf das offene Meer hinausgetrieben. An Bord des Schlauchboots habe sich weder Nahrung noch Wasser befunden. In ihrer Verzweiflung hätten viele seiner Weggefährten Meerwasser getrunken, aber einer nach dem anderen sei verdurstet. Schließlich habe das Schlauchboot auch noch Luft verloren.

Auch in diesem Jahr wird das Mittelmeer seinem grausamen Ruf als „Massengrab“ wieder gerecht. Nach Angaben des UNHCR sind 2012 bereits etwa 170 Flüchtlinge auf dem Weg von Nordafrika nach Europa umgekommen. Rund 1300 Immigranten haben die Reise überlebt und sind in Italien angekommen, weitere 1000 sind auf Malta gelandet. Die Zahlen beziehen sich auf Flüchtlinge, die von Libyen aus gestartet sind. Rechnet man die Immigranten hinzu, die von Ägypten, Tunesien, Griechenland oder dem Nahen Osten aus losgefahren sind, erhöht sich die Zahl der in den ersten sechs Monaten in Italien angekommenen Immigranten auf 4500.

Das entspricht nur gerade einem Zehntel der Ankünfte im ersten Halbjahr 2011. Im Zuge des Arabischen Frühlings hatten sich bis Ende Juni 45 000 Flüchtlinge nach Italien abgesetzt. Bis Ende des Jahres zählten die italienischen Behörden 62 000 Ankünfte, davon knapp die Hälfte aus Tunesien. Tausende Immigranten waren auch aus Libyen gekommen, wo während des Aufstands gegen Muammar al Gaddafi die im Freundschaftsvertrag mit Italien im Sommer 2008 vereinbarten Kontrollen der Küste aufgegeben worden waren. Die Massenflucht über das Mittelmeer haben im vergangenen Jahr laut Schätzungen rund 2000 Menschen mit ihrem Leben bezahlt.

Dass in Italien in diesem Jahr erst 1300 Flüchtlinge aus Libyen angekommen sind, ist der Wiederaufnahme der Küstenkontrollen durch die libysche Übergangsregierung zu verdanken. Am 3. April hatten die italienische Innenministerin Annamaria Cancellieri und ihr libyscher Amtskollege Fawzi al Taher Abdulali ein neues Abkommen unterzeichnet, das weitgehend jenem entsprach, das Silvio Berlusconi und sein früherer guter Freund Gaddafi ausgehandelt hatten. Cancellieri versicherte jedoch, dass Italien keine Flüchtlinge auf offenem Meer mehr zurückweise. Dominik Straub

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