Politik : „Im Osten geht die Sonne auf“

Afrikas Diktatoren lieben China – die neue Supermacht investiert und schweigt

Wolfgang Drechsler[Kapstadt],Dagmar Dehmer[Be]

Nach Jahren des Bürgerkriegs und des ungebremsten Verfalls geht es in Angola wirtschaftlich bergauf: Rund zwei Dutzend Kräne und halbfertige Häuser ragen im Zentrum der Hauptstadt Luanda in den Himmel. Doch die wahre Metamorphose vollzieht sich 20 Kilometer südlich. Auf 800 Quadratkilometern sind Zehntausend von 120 000 geplanten Mietshäusern entstanden – Umrisse einer neuen Metropole für vier Millionen Menschen.

Finanziert wird das Mammutprojekt mit Milliardenkrediten aus dem Fernen Osten. Bis zu 35 Milliarden Dollar soll China den Angolanern dafür zugesagt haben – als Gegenleistung für die Lieferung von Erdöl. Kein Wunder, dass der südwestafrikanische Staat erst vor einem halben Jahr Saudi-Arabien als Pekings größten Öllieferanten verdrängt hat. China bezieht nach eigenen Angaben 30 Prozent seiner Ölimporte aus Afrika.

Die aus dem Nichts entstehende Stadt ist ein Beispiel für das selbstbewusste Auftreten der Chinesen in ganz Afrika. Überall sind sie aktiv – auf den Ölfeldern im Sudan, beim Straßenbau im Hochland von Äthiopien, selbst auf den Märkten im Stadtzentrum von Johannesburg oder Accra. Besonders enge Kontakte suchen dabei die vom Westen isolierten afrikanischen Unrechtsregime in Simbabwe und Sudan. „Im Osten geht die Sonne auf, im Westen geht sie unter“, frohlockte Simbabwes Langzeit-Diktator Robert Mugabe bei einer China-Visite. Auch im Sudan, wo die Armee an einem blutigen Vertreibungskrieg in Darfur beteiligt ist, kennen die Chinesen kaum Berührungsängste. „Geschäft ist Geschäft“, meint Li Xiaobing, der im Handelsministerium für Afrika zuständig ist. „Wir importieren Öl aus jeder verfügbaren Quelle.“

Inzwischen geht es nicht mehr nur um die Sicherung von Rohstoffen, sondern auch den Aufbau neuer Absatzmärkte: Chinesische Produkte sind billig. Dass die lokale Wirtschaft in Afrika mit China nicht konkurrieren kann und die wenigen eigenen Industriezweige wie die Textilbranche in Lesotho zerstört werden, bemerken sie erst allmählich.

Dennoch wäre es verfehlt, den Aufmarsch der Chinesen in Afrika allein als neue Form des Kolonialismus zu geißeln. Dass Afrikas Wirtschaft im vergangenen Jahr um rund fünf Prozent gewachsen ist, hat es vor allem China zu verdanken. Zugleich sind die von den Chinesen gebauten Straßen, Brücken und Krankenhäuser billig und von akzeptabler Qualität, auch wenn kein einheimisches Bauunternehmen davon profitiert. „Die Chinesen tun mehr zur Ausmerzung der Armut als der Westen“, meint der Botschafter von Sierra Leone in Peking. „Sie kommen und legen los – ohne Umweltstudien und das ständige Herumreiten auf Menschenrechten und finanzieller Transparenz“.

Der senegalesische China-Experte Adama Gaye sagte dem Tagesspiegel: „China investiert in Afrika nicht, um lokalen Wohlstand zu schaffen.“ Bisher diktiere China die Beziehungen. Er wirft den afrikanischen Staatschefs vor, durch das Engagement „so geschmeichelt zu sein, dass sie eigene Interessen nicht vertreten“.

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