Politik : Im Schatten Arafats

Die Palästinenser vertrauen ihrem neuen Premier Abbas noch lange nicht. Die Friedensgespräche werden daran kaum etwas ändern

Andrea Nüsse[Amman]

Der Gipfel in Akaba ist das höchstrangige Treffen zwischen Palästinensern und der US-Regierung seit Januar 2001. Damals empfing der damalige US-Präsident Clinton Palästinenserführer Arafat im Weißen Haus. Doch die charakteristische schwarz-weiß-karierte Keffieh Arafats wird beim Treffen mit George W. Bush in Akaba nicht zu sehen sein: An seiner Stelle reist der neue palästinensische Premierminister Abbas zum Gipfel. Ebenso wie am Vortag beim Treffen Bushs mit Führern amerika-freundlicher arabischer Länder dient auch der Gipfel der Inthronisierung von Abbas als neuem palästinensischen Führer und Verhandlungspartner. Die USA hatten die Haltung Israels übernommen, das sich weigerte, weiter mit Arafat zu verhandeln. Sie machen ihn für den palästinensischen Widerstand gegen die Besatzung und die Terroranschläge in Israel verantwortlich. Abbas dagegen hat sich wiederholt gegen die „Militarisierung“ des palästinensischen Widerstandes ausgesprochen.

Doch auch wenn Abbas in den vergangenen Wochen im Machtkampf mit Arafat scheinbar die Oberhand behalten und seine Kandidaten für Ministerämter durchgesetzt hat, so ist im innerpalästinensischen Machtgefüge Arafat noch immer weit beliebter. Eine Umfrage des Jerusalemer Medien- und Kommunikationszentrums im April ergab, dass Arafat mit 21 Prozent der Führer ist, dem die Palästinenser am meisten vertrauen, Abbas kam abgeschlagen mit 1,8 Prozent auf Platz sieben.

Dies hat auch damit zu tun, dass Abbas wenig Kontakt zur Bevölkerung hat und für die gescheiterten Abkommen von Oslo verantwortlich gemacht wird, die er in Geheimverhandlungen ausgehandelt hat. So fürchten Beobachter, dass Abbas sich weiter unpopulär macht, indem er Bush und Scharon die Hand schüttelt, aber dafür nicht die Zugeständnisse von Israel erhält, die er braucht, um einen Waffenstillstand mit militanten Palästinensergruppen auszuhandeln. Arafat würde dann als der gradlinige Führer erscheinen, der die wahren Interessen der Palästinenenser vertritt. Allerdings scheint es eher Bush in der Hand zu haben, wie stark oder schwach Abbas ist. Denn wenn er Israel dazu bringt, seine Verpflichtungen im Friedens-Fahrplan zu erfüllen, dann stärkt er Abbas den Rücken – auch im innerpalästinensischen Machtkampf.

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