• Im Streit um die Entschädigung von polnischen NS-Zwangsarbeitern in der Landwirtschaft benahm sich der Hauptunterhändler gehörig daneben

Politik : Im Streit um die Entschädigung von polnischen NS-Zwangsarbeitern in der Landwirtschaft benahm sich der Hauptunterhändler gehörig daneben

Edith Heller

"Die Beschäftigung von Ostarbeitern in der deutschen Landwirtschaft ist eine natürliche historische Erscheinung. Sie haben schon immer so gearbeitet und tun dies sogar heute." Mit diesen Worten soll Otto Graf Lambsdorff bei der letzten Verhandlungsrunde in Washington den Ausschluß der Landzwangsarbeiter aus dem geplanten Entschädigungsfonds begründet haben. In Polen haben diese Worte eine Welle der Empörung ausgelöst.

Das Zitat des deutschen Hauptunterhändlers in der Entschädigungsfrage druckte die als seriös geltende polnische Tageszeitung "Rzeczpospolita" auf ihrer ersten Seite ab. Es folgt ein Beitrag unter dem Titel "Osteuropa - eine Rasse von Untermenschen", in dem die Entschädigungsverhandlungen und die nach Meinung des Blattes diskriminierende Behandlung Polens kritisiert werden.

Der polnische Delegationsführer Janusz Stanczyk bestätigte dem Tagesspiegel das Zitat von Lambsdorff. Der deutsche Unterhändler habe ihn in Gegenwart der amerikanischen Delegation außerdem gefragt, ob er wisse, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt mehr als 80 000 Polen in der deutschen Landwirtschaft arbeiten. "Ich hoffe, daß sie nicht deportiert wurden", sei er gezwungen gewesen zu antworten. Lambsdorff habe darauf hingewiesen, dass es sich beim dem Landarbeiterproblem um den "dauernden Ausdruck derselben historischen Erscheinung" handele.

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