Politik : Im Turm des Löwen

Die Globalisierungskritiker Attac sind nach Frankfurt gezogen

Rolf Obertreis[Frankfurt/Main]

Von Rolf Obertreis,

Frankfurt/Main

Im Erdgeschoss residiert eine österreichische Bank, im ersten Stock ein Ableger der Frankfurter Sparkasse, gegenüber die türkische VS Bank und die Commercial Bank of Greece. Die Globalisierungskritiker von Attac haben sich mit ihrer Zentrale aus dem beschaulichen Verden an der Aller verabschiedet und am Donnerstag ihr neues Büro im Frankfurter Bankenviertel eröffnet. Ein Blick aus dem Fenster genügt. „Wir sehen jetzt, wo der Feind sitzt“, sagt Attac-Sprecher Sven Giegold. Die Banken seien schließlich die größten Profiteure der Globalisierung und der unregulierten Finanzmärkte.

Zwar sucht Attac Deutschland, das innerhalb von zwei Jahren zu einer Bewegung mit über 100 Gruppen und 11 000 Mitgliedern angewachsen ist, die Nähe der Banken. Gespräche über die Regulierung von Finanzmärkten, mangelnde Bank- und Börsenaufsicht, Bankgeheimnis oder über die Tobinsteuer zur Einschränkung der Devisenspekulation wird Attac aber nicht aktiv suchen. „Solche Gespräche würden die Interessenlage der Banken nicht verändern. Die profitieren doch vom System“, sagt Giegold. Aber zum Diskurs sei er bereit, Attac verweigere sich nicht. Die Dresdner Bank hat Giegold schon eine Einladung zu einer Diskussionsrunde geschickt. Dann werden die Attac-Aktivisten auch mal in die Bank-Türme hineingehen. Sonst aber müssen sich Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann und seine Kollegen auf häufigere Aktionen vor ihren Türmen einstellen. Aktuelles Thema ist die geplante Abgeltungssteuer, die von den Banken begrüßt und von Attac als Niedrigsteuer für Wohlhabende gebrandmarkt wird.

Mit elf Leuten wird das Netzwerk künftig seine Arbeit und Aktionen von Frankfurt aus professionell und endlich auch mit neun bezahlten Mitarbeitern koordinieren. Die programmatischen Schwerpunkte sollen allerdings weiter von den Gruppen und Mitgliedern festgelegt werden. 300 000 Euro pro Jahr lässt sich Attac die neue Zentrale im Frankfurter Bankenviertel kosten. Nicht einmal vier Prozent dessen, was der Chef der Deutschen Bank pro Jahr aufs Konto bekommt.

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