Politik : Image ist Arbeit

Robert Birnbaum

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Image ist – nun, nicht alles, aber wichtig ist es, wenn einer was werden will hinter den Linden. An ein Image zu kommen ist nicht einfach. Loriot, Stammvater aller Imageberater, hat in seinem Großen Ratgeber einst angehenden Filmstars empfohlen, sich eine einprägsame Miene zuzulegen und sie unter allen Umständen beizubehalten. Der Ratschlag war illustriert mit dem Bild eines knubbelnasigen Herren, den ein Zylinder, ein sorgsam gewichster Oberlippenbart und ein ölig-schiefes Lächeln als galanten Liebhaber auswiesen, dargestellt einmal mit einem Blumenstrauß, daneben – das gleiche Lächeln im Gesicht – mit einem Kranz in der Hand.

Im politischen Geschäft reicht solcher mimischer Minimalismus nicht aus, wenngleich auch dort ein gewisser Wiedererkennungseffekt beim Aufstieg behilflich sein kann. Aber er ist nicht entscheidend. Ein Image als Politiker will nicht erlächelt, es will erarbeitet sein. Das Problem dabei ist, dass – wiederum ähnlich wie in der Schauspielerei – die Zahl der zur Verfügung stehenden Muster sehr begrenzt ist. Gibt es dort den jugendlichen Helden, den mal weisen, mal störrischen Alten, die naive Schönheit, das errrotische Biest (sorry, Peymann, aber Polit-Theater hat nun mal Provinzniveau), hält die Reichstagsgarderobe nicht viel mehr als den Fachmann, den Strippenzieher, den Machtmenschen, den Loyalen und den Guten respektive den schlechten Dissidenten zur Auswahl bereit. Ersteres zu werden dauert und verhindert jede breite Prominenz, Letzteres ist ein schneller Weg zu Ruhm, doch fern der Macht. Imagewechsel sind auf der Theater- wie der Polit-Bühne sehr, sehr schwierig. Ein Image, einmal angeheftet, klebt. Der CSU-Landesgruppenchef Michael Glos kann das sehr eindrücklich belegen anhand seines Münchener Fraktionskollegen Peter Gauweiler. Der hat die Union bekanntlich aufgefordert, sie müsse sich im Irak-Krieg „zwischen Bush und dem Papst“ entscheiden. Und seitdem hat Glos ein Problem: „Mir glaubt kein Mensch, dass der Gauweiler evangelisch ist.“

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