Im BLICK : Gelbe Tonne SPD

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Das grüne Hoch, es hält sich beständig. Wenn es so weitergeht, dann muss die Ökopartei wirklich noch einen Kanzlerkandidaten oder eine -kandidatin benennen. Aber bis der majestätische Trittin, die freche Künast, der brave Özdemir oder vielleicht auch noch ein Politikberater namens Fischer diese Frage untereinander ausmachen müssen, werden Forsa, Emnid und Co. noch viele Male ihre tausend zufällig ausgewählten Bürger befragen und die Ergebnisse hin und her gewichten. Die SPD aber, sie kann sich keine Zeit lassen mit der Frage, wer K. wird. Sie hatte immer schon einen K., weshalb auch nur der Gedanke, dass man 2013 vielleicht mal ohne in die Wahl geht, gar nicht erst aufkommen wird. Selbst wenn die Grünen es noch schaffen, bundesweit an der SPD vorbeizuziehen. Die Wahrscheinlichkeit ist nicht sehr hoch, stimmt schon, aber wer weiß es?

Außerdem ist die SPD ja schon mittendrin in der Auswahl ihres nächsten K.-Mannes (eine Frau wird es wieder nicht sein). Drei stehen wohl zur Auswahl: Gabriel, Steinbrück, Steinmeier. So unterschiedlich sie sind, eines haben sie gemeinsam: Sie sind prominente Wahlverlierer. Zwei angewählte Ministerpräsidenten, ein gescheiterter Kanzlerkandidat. Im Kürschner, dem kleinen Handbuch der Bundestagsabgeordneten (ja, ihre Wahlkreise haben sie schon gewonnen), steht als Berufsabgabe bei allen dreien: Bundesminister a.D. Das ist das Ergebnis der Wahlniederlage von 2009. Wer nicht gewinnt, ist eben a.D. Gabriel hat auch noch Ministerpräsident a.D. dazugeschrieben. Zweifacher a.D. sozusagen. Steinbrück hat sich das gespart.

Freilich könnte das a.D., die Tatsache, dass die Sozialdemokratie von drei Männern geführt wird, die es bei wichtigen Wahlen nicht geschafft haben, die allesamt – salopp gesagt – vom demokratischen Souverän mal nach Hause geschickt worden sind, vielleicht könnte diese Tatsache ja etwas zu tun haben mit dem Dahindümpeln der SPD unter der Dreißigprozentmarke. Was werden wohl Wähler in NRW oder Niedersachsen sagen, wenn einer der drei 2013 als K. auftaucht? Den hatten wir doch schon mal, den wollten wir doch nicht. Nicht alle vermutlich, manche werden auch sagen, eine zweite Chance müsse drin sein. Aber es treten eben bekannte Wahlverlierer an.

Das hat ein wenig damit zu tun, dass man in der SPD (im Gegensatz zur Union) mit Wahlverlierern relativ nett umgeht. In den Kabinetten von Gerhard Schröder saß eine ganze Reihe von Wahlverlierern plus aus sonstigen Gründen Abgeschobenen aus den Ländern, Hans Eichel, Reinhard Klimmt, Rudolf Scharping, Wolfgang Clement, Renate Schmidt, in der großen Koalition kamen dann Gabriel dazu und Steinbrück. Die Union dagegen recycelt ihre Verlierer, ihre Abgewählten und Abgetretenen eher selten, kein Koch, kein Stoiber, kein Milbradt, kein Althaus, kein Rüttgers, kein Beust, kein Mappus sitzt in Merkels Kabinett, und Wulff residiert nur in Bellevue. Vielleicht sollte die SPD auch weniger nett sein? Immerhin ist eine Wahlniederlage, und eine Abwahl zumal, so etwas wie ein demokratischer Urteilsspruch, der sich nicht aus dem Lebenslauf tilgen lässt.

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