Immer aktuell bis in die Nacht : Der Live-Blog zur Wahl

An dieser Stelle bloggen wir für Sie aus Berliner Sicht über die Wahl - von der Stimmung im Wahllokal im Kiez bis hin zu den Reaktionen der Politiker auf den Wahlpartys am Abend und dem Berliner Endergebnis in der Nacht. Bitte schreiben Sie Ihre eigenen Erlebnisse, Fragen, Anregungen und Kritiken unter den Text.

Anna Sauerbrey[Markus Hesselmann],unseren Reportern
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Elefantenrunde. Zur Diskussionsrunde der Öffentlich-Rechtlichen kamen Gewinner und Verlierer zusammen.Foto: dpa

01.26 Uhr:

Zum Abschluss ein Erfolg für Steinmeier: SPD-Kanzlerkandidat und Außenminister Frank-Walter Steinmeier hat bei der Bundestagswahl in seinem Wahlkreis Brandenburg/Havel das Direktmandat geholt. Der Spitzenkandidat der Brandenburger Sozialdemokraten erreichte 32,8 Prozent der Erststimmen. Er verwies damit seine Konkurrentinnen von der Linken  und der CDU auf die Plätze. Steinmeier hatte sich erstmals um ein Direktmandat im Bundestag beworben.

00.40 Uhr:
Das vorläufige Endergebnis aus Berlin: Die CDU geht aus der Bundestagswahl in der Hauptstadt als stärkste Kraft hervor. Sie kam auf 22,8 Prozent der Zweitstimmen (2005: 22,0). Die SPD brach ein und erreichte nur noch 20,2 Prozent (2005: 34,3), genau so viel wie die Linke als kleiner Koalitionspartner (2005: 16,4). Auf die Grünen entfielen 17,4 Prozent (2005: 13,7) und auf die FDP 11,5 Prozent (2005: 8,2). Die erstmals bei der Bundestagswahl angetretene Piratenpartei errang 3,4 Prozent.

00.00 Uhr: Der gemütliche Teil des Abends hat auch auf der Party der Bundeszentrale für politische Bildung begonnen. Aus den Boxen tönt Jan Delay mit  "Johnny". An der Bar werden fertige Cocktails aus der Dose ausgeschenkt. Eis ins Glas, Dose auf, Strohhalm rein, Prost. Der Sex on the Beach ist SPD-rot, der Swimming Pool ist giftgrün, der Tequila Sunrise ist PDS-pink. Hintereinander genossen, sind sie ein rot-rot-grünes Experiment, das möglicherweise am nächsten Morgen Kopfschmerzen macht. Von der FDP-Party kommt inzwischen eine knappe SMS: "Wir sind schon recht betrunken."

23.40 Uhr:
Katastrophe komplett in der heimlichen Hauptstadt und vor allem drumherum: Die CSU hat am Sonntag ein neues Debakel erlebt und ihr schlechtestes Bundestagswahl-Ergebnis seit 1949 eingefahren. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis kam die CSU im Freistaat auf 42,6 Prozent. Die Bayern-SPD musste mit 16,8 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl seit dem Krieg hinnehmen. Die FDP dagegen triumphierte und legte auf 14,7 Prozent zu. Die Grünen steigerten sich auf 10,8 Prozent und die Linken auf 6,5 Prozent.

23.33 Uhr:
Gratulationscour komplett (noch einmal laut AP): Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Wahlabend nicht nur Glückwünsche aus Paris (siehe unten), sondern auch aus London und Washington erhalten. US-Präsident Barack Obama gratulierte der deutschen Regierungschefin telefonisch zu ihrer Wiederwahl. In dem Gespräch hätten beide darin übereingestimmt, dass sich mit der „Wahl einer starken deutschen Regierung unsere Zusammenarbeit weiter verstärken und vertiefen“ werde, teilte die US-Regierung in Washington mit. Obama freue sich darauf, bei der Bewältigung der gemeinsamen Herausforderungen weiter eng mit Kanzlerin Merkel zusammenzuarbeiten. „Die Vereinigten Staaten und Deutschland sind enge Verbündete und Partner bei der weltweiten Förderung von Freiheit, Sicherheit und Wohlstand“, hieß es in der Erklärung des Weißen Hauses. In einer Erklärung aus Downing Street 10 hieß es am Sonntagabend, der britische Premierminister Gordon Brown freue sich auf eine Fortsetzung der engen Zusammenarbeit. In Großbritannien steht im nächsten Jahr eine Unterhauswahl an.

23.15 Uhr:
Das schlechte Wahlergebnis sei nicht die Schuld des SPD-Kanzlerkandidaten – ein Satz, den Klaus Wowereit an diesem Sonntagabend oft wiederholt hat. „Es war nicht der falsche Kandidat“, sagt er. Aber Klaus Wowereit sagt auch, dass sich seine Partei neu positionieren muss. Mit Jüngeren wie Hannelore Kraft zum Beispiel, die SPD-Abgeordnete in Nordrhein-Westfalen ist. Und mit Wowereit in neuer Rolle, womöglich mit neuem Posten in der Bundes-SPD? Da lacht er. „Meine Rolle bleibt dieselbe wie bisher.“ Mehr zu Wowereit lesen Sie hier.

23.09 Uhr:
Im Wahlstudio nutzt ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender die sendefreie Zeit, um dem Moderatorenteam Christian Sievers und Bettina Schausten für ihren Einsatz zu danken. Sievers hatte es sich schon mit einem Bier am Rand der Bühne niedergelassen. Brender schloss mit den Worten: „Wie lange diese Koalition hält, da bin ich mir nicht sicher“. Offenbar denkt er schon über die nächste Wahlsendung nach.

Die Wahlnacht
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1 von 15Foto: dpa
27.09.2009 19:08Kopfschmerzen bei der SPD. Die Sozialdemokraten haben das schlechteste Ergebnis seit bestehen der Bundesrepublik erzielt. Sie...



23.04 Uhr: Prof. Karl-Rudolf-Korte

, Politikwissenschaftler: "Mit einem derart dramatischen Absturz der SPD habe ich nicht gerechnet". Die SPD hätte keine Strategie gehabt, sondern in den letzten Jahren nur taktiert.  "Die Sozialdemokraten brauchen jetzt einen kreativen Ausweg, müssen für die politsche Mitte wieder attraktiver werden." Was Westerwelle angeht, würde er dem FDP-Politker nicht raten, Außenminister zu werden. "Merkel würde es begrüßen, dann ist er weg. Das wäre der Clinton-Effekt, oder hören Sie noch etwas von Hillary?" Ein Außenminister finde innenpolitisch nicht statt, könne dort nicht mitgestalten. "Das gleiche Problem hatte jetzt Steinmeier", sagt er.  Das Wahlergebnis sieht er als Antwort auf die Krise, die Wähler setzten auf Stabilität und Berechenbarkeit. "Das wird ein dosierter Machtwechsel. Ich sehe keinen Zauber des Anfangs, keine große gemeinsame Idee für einen neuen Aufbruch".

23 Uhr:
Unter dem Titel "SPD neu erfinden" kursiert unter Sozialdemokraten aus dem engeren Zirkel ein internes Papier, das schonungslos die Schwächen der Partei offenlegt und sich mit der Zukunft der schwer angeschlagenen Sozialdemokraten befasst. Das Papier liegt dem Tagesspiegel vor. Wir dokumentieren es hier für unsere Leser.

22.53 Uhr:
Die Juso-Bundesvorsitzende Franziska Drohsel in einer ersten Stellungnahme zum Wahlergebnis: "Wir sind mit einem guten Programm in den Wahlkampf gestartet. Doch wir haben damit die Leute nicht überzeugen können. Das Glaubwürdigkeitsproblem der SPD ist massiver als bisher angenommen."

22.50 Uhr: 
Auch der Online-Wahlkampf wurde auf der Wahlparty in einer Podiumsdiskussion gewürdigt. Hier lesen Sie dazu mehr.

22.40 Uhr: Noch einmal Nussbaum: Dass sein rigider Sparkurs die SPD Stimmen gekostet habe, wies der Finanzsenator zurück. "Wir machen 5,6 Milliarden Euro Schulden in sechs Jahren" - von Sparen könne im neuen Haushalt keine Rede sein. Im Gegenteil sei eher interessant, wie Schulden zurückgezahlt werden sollen. Für den Bund glaubt Nußbaum nicht, dass die von der Union und der FDP versprochenen Steuersenkungen in einer schwarz-gelben Regierung durchgesetzt werden. "Wer das fordert, ist ein Traumtänzer." Die Einnahmen des Staates müssten schließlich höher werden. Bei Umsatz- und Mehrwertsteuer, beim Spitzensteuersatz und bei der Gewerbesteuer gebe es Möglichkeiten für Veränderungen. Für Berlin erwartet Nußbaum keine weiteren Einschnitte. "Ich erwarte Unterstützung für Berlin", sagt er sogar. Es sei Zeit, dass der Bund etwas für die Hauptstadt tue - und sie finanziell "ordentlich ausstatte." Berlin sei schließlich das "Machtzentrum" der Bundesrepublik.

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Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum im Gespräch mit Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff.Foto: Mike Wolff

22.31 Uhr:

Der Vorteil des parteilosen Politikers ist es, seine Meinung immer ein Stückchen freier sagen zu können, als seine parteigebundenen Kollegen. Und so kritisiert Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum den Umgang des Wahlverlierers SPD mit der Linkspartei. „Ich hätte es taktisch klüger gefunden, wenn man das Verhältnis zur Linken vor der Wahl begradigt hätte," sagte Nußbaum bei einem Podiumsgespräch mit Tagesspiegel-Chefredakteur Stephan-Andreas Casdorff auf der Wahlparty der Bundeszentrale für politische Bildung, der Telekom, des Tagesspiegels und weiterer Partner. Hätte es eine offizielle Linie für eine mögliche - oder auch unmögliche - Koalitionsfähigkeit auf Bundesebene gegeben, "hätte man gewusst, wo man dran ist" - und die Wähler hätten sich darauf einstellen können. So müsse sich die SPD nun eben sammeln - und sich neu aufstellen.

22.25 Uhr: Der Bundesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Michael Sommer, warnt die Union davor, ihre Rolle als Volkspartei aufzugeben: "Wir hatten immer gesagt, dass wir Schwarz-Gelb für dieses Land für eine schlechte Lösung halten",  sagt der DGB-Chef dem Tagesspiegel. "Das wird die Situation von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern verschlechtern, wenn die Union ihre Rolle als große Volkspartei aufgibt. Das hängt sehr davon ab, ob Angela Merkel ihre bisher betriebene Politik des Ausgleichs fortsetzen kann, fortsetzen will und fortsetzen wird. Sie hat mir gegenüber in puncto Arbeitnehmerrechte eindeutig erklärt, dass sie bei ihren bisherigen Positionen bleibt. Daran werde ich sie messen", sagt Sommer weiter. Sommer kündigt an, weiter für die Interessen der Arbeitnehmer zu kämpfen: "Ich werde mich natürlich bemühen mit dieser Regierung produktiv zusammenarbeiten. Aber ich sage auch: Wir werden nicht jede Politik akzeptieren, insbesondere dann nicht, wenn sie spekulantenfreundlich und arbeitnehmerfeindlich ist."

22.22 Uhr:
Der Politblogger Markus Beckedahl (www.netzpolitik.org) ist auf dem Weg zur Party der Piratenpartei. Er twittert: "2% Netzpolitik feiern. Das hätten andere Parteien haben können, wenn sie uns zugehört hätten."

22.18 Uhr:
Bei der Wahl waren wir nicht allein. Insgesamt 12 Wahlbeobachter hat die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) nach Deutschland entsandt. Zwei von ihnen, der Bulgare Nikolai Vulchanov und der Amerikaner Donald Bisson, besuchten ein Wahllokal in der Warschauer Straße in Berlin - wo man sie zunächst für Wähler hielt.

22.10 Uhr: Insgesamt konnte die Berliner CDU vier Mandate mehr als 2005 holen: Damals gewann nur der CDU-Direktkandidat Karl-Georg Wellmann in Steglitz-Zehlendorf das Mandat. Wellmann siegte auch diesmal wieder gegen seinen SPD-Kontrahenten Klaus Uwe Benneter. Es ist völlig offen, ob Benneter über die Landesliste noch einmal in den Bundestag zieht. Die Wahlniederlage im Zweitstimmenergebnis der SPD spiegelt sich auf bei den Direktmandaten wieder. Errang die Partei 2005 noch  sieben Direktmandate, holte sie nur noch zwei in Berlin: Eva Högl in Mitte - und Petra Merkel in Charlottenburg-Wilmersdorf, die gegen Ingo Schmitt siegte.

22.08 Uhr: In der Berliner CDU lagen Freude und Frust nah beeinander. Ausgerechnet die Spitzenkandidatin Monika Grütters und der in der CDU geschmähte ehemalige Landeschef Ingo Schmitt waren in einer wahlrechtsbedingten Schicksalsgemeinschaft aneinander gekettet - und gingen zusammen unter. Schmitt, Direktkandidat in Charlottenburg-Wilmersdorf, war auf der Landesliste nicht abgesichert und verlor mit rund vier Prozentpunkten Abstand gegen die Sozialdemokratin Petra Merkel. Er wird dem Bundestag nicht mehr angehören. Grütters wiederum hatte das Pech, dass die Landesliste nicht berücksichtigt wurde: Fünf Direktmandate für die CDU bei einem Zweitstimmeanteil, der fünf Sitze im Bundestag garantiert - da zog die Landesliste nicht, Grütters geht vermutlich leer aus.

22.06 Uhr:
Wolfgang Thierse verliert seinen Wahlkreis. In Pankow liegt der Linke Stefan Liebich vor dem Bundestagsvizepräsidenten. Thierse wird dem Bundestag aber wieder angehören, weil er über den ersten Listenplatz der Berliner SPD abgesichert ist.

21.59 Uhr: Nach der bitteren Niederlage der SPD bei den Bundestagswahlen hat der rheinland-pfälzische SPD-Chef und frühere Bundesvorsitzende, Kurt Beck, dafür plädiert, einen Vorschlag für einen neuen Parteivorsitzenden zu erarbeiten. Auf die Frage "Sollte Steinmeier jetzt Parteichef werden", sagte Beck dem Berliner "Tagesspiegel": "Ich bin dafür, dass wir miteinander einen Vorschlag erarbeiten." Beck sagte, er wolle sich bei allen Fragen "konstruktiv einbringen". Zur Bündnisfrage mit der Linken sagte Beck: "Für die Zukunft muss man sehen wie die Linke sich weiter entwickelt." Beck sagte aber auch: "Ich hoffe und erwarte, dass es insgesamt in der Parteienlandschaft Bewegung geben wird. Und ich hoffe, dass wir das idiotische Lagerdenken überwinden."

21.58 Uhr:
Der Bundeswahlleiter hat angekündigt, sämtliche Einträge auf Twitter, in denen vermeintliche Prognosen vor 18 Uhr veröffentlicht wurden, auf ihre Echtheit überprüfen zu wollen. Zahlreiche der Nutzer behaupteten dabei, über Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap zu verfügen. Bei einigen der Einträge wichen die Zahlen nur geringfügig von der tatsächlichen Prognose ab, die traditionell um 18.00 Uhr veröffentlicht wird. Allerdings gab es auch zahlreiche angebliche Infratest-Zahlen, die sich von der Prognose des Meinungsforschungsinstituts deutlich
unterschieden.

21.50 Uhr:
Im Restaurant "Hugo's" hoch oben im Hotel Intercontnental in Tiergarten trafen sich Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport zur Wahlparty "Deutschland jetzt". Der Einladung von  Medienunternehmer Manfred Schmidt war unter anderem auch der französische Botschafter Bernard de Montferrand gefolgt. Am Rand der Party sagte er: "Eigentlich kommentiert ein Botschafter nicht die deutschen Wahl, aber ich finde, dass eine Fünf-Partei-Landschaft klare Verhätntlise ermöglicht. Das ist gut für Demokratie." Und der Berliner BMW-Chef  Hans-Reiner Schröder ergänzte: "Eine neue Konstellation hat den großen Vorteil, dass sich die Akteure proflieren müssen. Deshalb sehe ich den großen Aufschwung." Event-Unternehmerin Isa von Hardenberg sah sich mit dem Wahlausgang bestätigt: "Merkel ist einfach die bessere Kanzlerin. Es wird sehr, sehr schwer, aber ich habe großes Vertrauen zur ihr."

21.48 Uhr: Partytalk auf der Tagesspiegelparty. Überraschungen wird es nicht mehr geben, die Gäste diskutieren das Ergebnis, essen die Reste vom inzwischen geschlossenen Buffet. Beim schlendern durch die Menge schnappt unsere Reporterin Gesprächsfetzen auf: "Wie konnte das bloß passieren?", flüstert eine Frau, ungefähr Mitte 40, ihrem Mann zu. Sie guckt ungläubig auf einen Fernseher, wo eine siegesfreudige Merkel gezeigt wird. Der Mann rollt mit den Augen, seufzt. "Es geht bergab", sagt er.
Ein paar Schritte weiter steht eine Gruppe junger Männer, Weingläser in den Händen. Sie befinden sich mitten in einer Analyse der Ergebnisse. "Ich bin selbständig, da ist die FDP für mich die richtige Partei", sagt einer, blaue Jeans, Hornbrille, offenbar zufrieden über die Wahl. "Und wenn du mal arbeitslos wirst?", fragt einer aus Runde, schwarzes Jackett, Vollbart. "Ich gehe einfach mal davon aus, dass das nicht passieren wird", antwortet der Selbständige.

21.38 Uhr:
Für Thomas Krüger, SPD-Mitglied und Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, ist das Wahlergebns "eine herbe Niederlage, das darf nicht beschönigt werden. Meiner Ansicht nach müssen sich die Sozialdemokraten jetzt wie ein guter Boxer wieder aufrichten, trainieren und sich für den nächsten Fight rüsten. Es müssen inhaltliche und personelle Konsequenzen gezogen werden." Seiner Einschätzung nach haben die Sozialdemokraten zwei Probleme: "Die SPD hat Wähler bei der jungen Wählerschaft verloren und konnte auch nicht die eigene Stammklientel mobilisieren. So etwas macht sich dann wie jetzt gravierend bemerkbar." Mit ein Grund war für ihn auch die Große Koalition, die beiden Volksparteien Verluste beschert hat.

21.30 Uhr:
Am Abend radelte der Grünen-Direktkandidat Christian Ströbele zum Rathaus Yorckstraße, um das Auszählungsergebnis direkt zu erfahren. Bald stand fest, dass der Bundestagsabgeordnete zum dritten Mal hintereinander das Direktmandat in Friedrichshain-Kreuzberg gewonnen hat. Laut vorläufigem Endergebnis konnte er den Erststimmenanteil von 2005 (43,2 Prozent) noch um rund vier Prozentpunkte steigern. „Ich freue mich sehr. Und ich bin ein ganz bisschen glücklich, dass ich das Vertrauen für meine politische Arbeit für eine weitere Legislaturperiode gewonnen habe“, sagte Ströbele dem Tagesspiegel. Dass er während der kommenden Legislaturperiode sein Mandat niederlegen werde, schloss er definitiv aus. „Ich werde bis zum Ende der Legislaturperiode im Bundestag arbeiten“, sagte Ströbele. Wie schon bei der Bundestagswahl 2002 und 2005 war Ströbele nicht auf der Berliner Landesliste abgesichert.

21.22 Uhr:
Geteilte Stadt: Im Ostteil Berlins ist die Linke bei den Zweitstimmen mit 34,2 Prozent bei weitem stärkste Kraft - so viel wie in etwa CDU (16,8) und SPD (18,2) zusammen. Im Westteil liegt die CDU mit 26,8 Prozent vorn, gefolgt von der SPD mit 21,7 und den Grünen mit 19,4 Prozent (Ost: 13,7). Die Linke kommt auf 11,2 Prozent. Noch davor kann sich die FDP platzieren mit 14 Prozent. Im Osten erreichen die Liberalen 7,7 Prozent.

21.19 Uhr:
Kommentare zum Abschneiden der Piratenpartei auf der Tagesspiegel-Wahlparty. Prof. Stefan Marschall, Mitentwickler des „Wahl-O-Maten“, weist darauf hin, dass über eine Million Menschen die Piratenpartei gewählt haben, deren Hauptthema und Hauptkompetenz das Internet ist. Das sollte die Parteien nachdenklich stimmen – auch Sascha Lobo spricht in diesem Kontext von einem „Warnschuss“ für die etablierten Parteien.

21.08 Uhr:
Auch im Bundesrat könnten sich die Mehrheitsverhältnisse ändern, sollte in Schleswig-Holstein ebenfalls eine schwarz-gelbe Regierung geben.

21.02 Uhr:  Die jüngste Berechnung der ARD ergibt, dass die Union auf 22 Überhangmandate kommen könnte. Sie würde dann zusammen mit der FDP auf 330 von 598 Sitzen kommen.

20.48 Uhr: Kanzlerin Merkel in der Elefantenrunde: „Wir werden über einige Punkte natürlich auch streiten müssen“, sagte die CDU-Chefin am Sonntagabend in der „Berliner Runde“ von ARD und ZDF. „Wir sind als unterschiedliche Gruppierungen in die Wahl gegangen.“ Sie wolle mit der FDP aber „schnell und zügig verhandeln“. Merkel will bei den Plänen bleiben, die die Union ins Wahlprogramm geschrieben hat. „Ich habe die Absicht, mich an mein Regierungsprogramm zu halten.“

20.41 Uhr
: Aus der heimlichen Hauptstadt erreicht uns derweil über dpa die folgende Katastrophenmeldung: Es ist Horst Seehofers Niederlage. Ein knappes Jahr nach seinem Amtsantritt hat der CSU-Chef seine Partei bei der Bundestagswahl in ein neuerliches Debakel geführt. Um die 42 Prozent für eine CSU, die auf über 45 Prozent gehofft hatte - es ist das schlechteste CSU-Ergebnis seit 1949. Unmittelbar nachdem die erste Prognose über die Fernsehschirme flimmert, gerät der CSU-Chef bei der Münchner Wahlparty unter Druck. „Das ist nicht nur eine Niederlage, das ist ein Desaster, eine Katastrophe“, sagt Seehofers gestürzter Vorgänger im Parteivorsitz, Erwin Huber. Denn 42 Prozent sind noch schlimmer als die 43,4 Prozent bei der Landtagswahl 2008, die Huber sein Amt kosteten.

20.35 Uhr: Der Reporter bittet den Blogger und Twitterer Sascha Lobo, ihm zu seiner eigenen Entlastung einen Eintrag in den Block zu diktieren. Lobo ist freundlich wie immer, hat aber keinen exklusiven Content anzubieten. Schließlich denke er immer lange über seine Posts nach. Zuletzt habe er, frei nach der wahlfälschungskritischen Frage vieler iranischer Demonstranten, getwittert: „Where is my hope“? Was natürlich im schwarzgelbkritischen Sinne gemeint ist.

20.32 Uhr
: Agence France Press (AFP) meldet: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Sonntagabend seine „allerherzlichsten Glückwünsche“ zum Wahlsieg übermittelt. Der konservative Sarkozy war der erste ausländische Staatschef, der sich öffentlich zum Ergebnis der Bundestagswahl äußerte. Der Präsident würdigte laut einer Mitteilung des Elysée-Palasts die „einzigartige Beziehung“ zwischen den beiden Nachbarländern. „Ich weiß, dass Sie wie ich eine noch stärkere deutsch-französische Verständigung wünschen, die vor allem im Dienste eines Europas steht, das angesichts der weltweiten und regionalen Herausforderungen handelt“. Unter den Gratulationsbrief an Merkel setzte Sarkozy ein handschriftliches „Dein Freund“.

20.22 Uhr
: Clay Risen, unser amerikanischer Beobachter, ist mit drei amerikanischen Freunden in Berlin unterwegs und gerade konsterniert über die Wahllethargie der Deutschen, die sich auch in leeren Bars zeigt. Eine halbe Stunde lang haben er und seine Freunde in Tiergarten nach einer Kneipe gesucht, die die Wahlberichterstattung zeigt. Er schreibt: "Wir sind hier die einzigen, die die Wahl im Fernsehen schauen. Und jetzt hat N-Tv die Berichterstattung abgebrochen und zeigt einen Bericht über die Apokalypse. In Washington wäre jetzt jede Bar "tuned to the news". Ist das nur bei dieser Wahl so oder lassen sich die Deutschen allgemein nicht so begeistern am Wahlabend?"

20.19 Uhr:
John Kornblum, ehemaliger US-Botschafter, verfolgt die Wahlergebnisse, die gerade auf der großen Leinwand bei der Wahlparty des Tagesspiegels gezeigt werden. Er ist sehr gelassen, das Ergebnis ist für ihn weder überraschend noch schockierend. "Ich freue mich, denn es zeigt, dass die Politik der CDU in der Großen Koalition Anerkennung findet." Dass sich etwas für das deutsch-amerikanische Verhältnis verändern wird, glaubt er nicht.  "Die Deutschen und die Amerikaner haben ein sehr gutes und stabiles Verhältnis". Guido Westerwelle kann sich Kornblum gut als nächsten Außenminister vorstellen: "Ich würde es begrüßen, wenn Westerwelle Außenminister wird", sagt er. Kornblum kennt ihn schon seit 25 Jahren, der FDP-Politiker sei ein häufiger Besucher in den Staaten gewesen. "Er wird eine einfallsreiche Außenpolitik machen".

20.16 Uhr: In der Elefantenrunde führt Steinmeier die Verluste der SPD auch auf die niedrige Wahlbeteiligung zurück. "Es ist uns nicht gelungen, dass wir alle unsere Wähler und Wählerinnen an die Wahlurne gebracht haben", sagt er.

20.14 Uhr:  Martin Lindner, FDP-Spitzenkandidat in Berlin, findet das Wahlergebnis "sensationell". Er sagte: "Wir hoffen, dass wir in Berlin den dritten Listenplatz reinkriegen. Unser Ziel ist erreicht, wir sind dritte Kraft geworden und wollen regieren." Über die Verluste der SPD sagte er: "Wenn man Positionen der Linken übernimmt, ist das für eine Partei schwierig und schwer zu verkaufen."

20.10 Uhr: Diskussionsrunde zum Thema „Die Wahl im Internet“ auf der Tagesspiegel-Wahlparty. Viel Kritik am Online-Wahlkampf der Politik. Barbara Pfetsch, Professorin für Kommunikationswissenschaft an der FU Berlin, sagt, die Wahlkampfstäbe der Parteien hätten das Web 2.0 zwar drauf, in den Köpfen der Politiker sei das neue Medium aber noch nicht angekommen. Sie könnten mit der Interaktivität noch nicht so gut umgehen. Das liegt, sagt der Blogger Sascha Lobo, daran, dass die Politik größtenteils noch nicht erkannt hat, dass sich eine „Digitale Gesellschaft“ gebildet hat. Sein Beispiel ist eine Kinderfrage. Der kleine Sohn eines Bekannten habe diesen kürzlich gefragt: „Papa, wie ist man eigentlich ins Internet gekommen, als es noch keine Computer gab?“ Lachen, gute Geschichte. Und eine, die zeigt, dass da eine ganze Genereration „online sozialisiert wurde – und wird“. „Es passiert im Internet Gesellschaft.“ – das hätten die Politiker nicht verstanden, und deshalb auch nicht verstanden, wie junge Leute funktionieren.

19.57 Uhr: Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur der Zeit und Herausgeber des Tagesspiegels, nutzt eine Pause im Kommentarmaraton um schnell ein paar Käsehäppchen zu essen. Er ist nicht überrascht über das Wahlergebnis. "Nächste Woche warten auf mich viele Weinflaschen", sagt er. Er hat richtig gewettet. Seiner Einschätzung nach wird die SPD die größte Veränderung durchleben. "Die Partei muss sich nun inhaltlich mit sich selbst auseinandersetzen. Das wird sehr schwierig." Giovanni di Lorenzo ist froh, dass er das nicht durchmachen muss. Er rechnet fest damit, dass Westerwelle Außenminister wird.

19.54 Uhr:
Auf dem großen Bildschirm in der Haupthalle auf der Wahlparty des Tagesspiegels werden gerade die neuesten Hochrechnungen präsentiert. Starblogger Sascha Lobo schaut auf die bunten Säulen, signalroten Iro auf dem Kopf, ein Glas Weißwein in der Hand. Er findet das Ergebnis "nicht schön", schließlich ist er bekanntermaßen SPD-Sympathisant. "Okay, man könnte auch 'grauenvoll' sagen." Außerdem sei er ja Hertha-Fan. "Ein 1:5 bei Hertha und 23 Prozent für die SPD - schlechter hätte der Tag nicht ausgehen können." Seine Erwartungen für die nächsten vier Jahre? Pointiert pessimistisch: "Ich habe die Hoffnung, dass die soziale Kälte, die über uns kommen wird, durch die Atomwärme etwas gemildert wird."

19.50 Uhr:
Obwohl Wahlbeobachter vermuten, dass die Stimmverluste von SPD und CDU auf die große Koalition zurückzuführen sind, will der Berliner CDU-Landesvize diese Option noch nicht aufgeben. "Wirtschaftspolitisch wäre eine schwarz-gelbe Koalition sicher wünschenswert. Doch angesichts der Haushaltslage und der Mehrheitsverhältnisse im Bundesrat plädiere ich dafür, dass die Union Sondierungsgespräche auch mit der SPD führt", sagte Thomas Heilmann dem Tagesspiegel.

19.46 Uhr:
Unser amerikanischer Autor Clay Risen ist unterwegs und testet die Stimmung auf Berliner Wahlpartys. Sein erstes Urteil:  "There is significantly more excitement at the fdp headquarters than even at the cdu."

19.43 Uhr
: Die Berliner waren an der Bundestagswahl 2009 offenbar wenig interessiert. Mit 56,1 Prozent lag die Wahlbeteiligung um neun Prozentpunkte niedriger als vor vier Jahren. Das ist der mit Abstand schlechteste Wert seit 20 Jahren und wohl mit dem schönen Ausflugswetter allein nicht zu erklären.

19.38 Uhr: Die Piraten hatten auf drei Prozent gehofft, nach der ARD-Prognose kommen sie auf 1,9 Prozent. Über Twitter senden die Freibeuter eine Nachricht an ihre Wähler, so einfach wie ihr Wahlprogramm: "Danke Danke Danke Danke Danke Danke Danke Danke."

19.33 Uhr:  Wird Guido Westerwelle jetzt Außenminister? Dirk Niebel, Generalsekretär der FDP, will sich da noch nicht festlegen, über Personalien werde man am Wahlabend nicht reden, sagte er.

19.31 Uhr:
Alle kleinen Parteien haben heute gewonnen. Auch Gregor Gysi ist sehr zufrieden. "1989 konnte ich mir das wirklich nicht vorstellen, was wir heute hier erlebt haben", sagt der Fraktionsvorsitzende der Linken.

19.25 Uhr:
Lukas aus Mainz ist Walhelfer. Und nein, dass ist mal kein Tippfehler der eiligen Bloggerin. So steht es auf seinem Shirt. Lukas ist für Tierschutz und engagiert sich bei der Grünen Jugend, bei der er seit Januar Mitglied ist. Grinsend isst er am Büffet auf der Wahlparty des Tagesspiegels seinen Salat. Am 12.9. hatte er Geburstag, pünktlich zur Wahl ist er 18 geworden. Das Ergebnis der Grünen findet er "super" und will später noch auf der grünen Party weiter feiern.

19.19 Uhr: Ein glücklicher Guido Westerwelle tritt auf der Wahlparty der FDP auf. "Wir wollen jetzt Deutschland mitregieren. Wir wollen dafür sorgen, dass die Bürgerrechte endlich wieder respektiert werden", sagt der FDP-Chef und dankte seinen Unterstützern.

19.13 Uhr: In Berlin rückt die Linke nach ersten Prognosen mit 18 Prozent nahe an die Volksparteien heran und kann ihren Rang als drittstärkste politische Kraft in Berlin verteidigen. Es folgen die Grünen mit 16 bis 17 Prozent und die FDP darf mit bis zu 13 Prozent rechnen. Alle drei Parteien können zulasten der SPD, aber auch der CDU zulegen. Damit setzt sich in Berlin ein seit 1990 wirkender Trend fort.

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Strahlende Kanzlerin: Angela Merkel wird weiter regieren, allerdings mit einem neuen Koalitionspartner. -Foto: dpa

19.07 Uhr: 

Angela Merkel

tritt im Konrad-Adenauer-Haus vor das Mikrofon. Gewohnt trocken analyisiert sie die Wahl. In einem Vielparteiensystem werde es schwieriger, Koalitionen zu schmieden. Sie wolle keine Ernüchterung herbeireden, "aber wir haben viele Probleme in diesem Land zu lösen". Eine schöne Party wünscht sie ihren Parteifreunden dann aber nach dem knappen Statement doch noch.

19.04 Uhr: In Berlin liefern sich SPD und CDU bei der Bundestagswahl voraussichtlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Nach ersten Prognosen und Berechnungen des Tagesspiegel stürzen die Sozialdemokraten auf knapp über 20 Prozent der Zweitstimmen ab. Das wären fast 15 Prozentpunkte weniger als bei der Wahl 2005. Die Union wiederum scheint ihr schlechtes Wahlergebnis von 2005 nicht verbessern zu können und darf auch nur mit etwa 20 Prozent rechnen.

18.49 Uhr:
Ein Ehepaar in den besten Jahren auf der Wahlparty der Bundeszentrale für politische Bildung ist vor allem beeindruckt von der Wahlshow von Stefan Raab: Auch dort waren starke Verluste der SPD und Zuwachs für FDP und Linke vorhergesagt worden. „Ich hätte nicht gedacht, dass die das so gut können“, sagt der Partygast.



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Gefasste Rede. Frank-Walter Steinmeier und Franz Müntefering im Willy-Brandt-Haus.Foto: dpa

18.40 Uhr:

Steinmeier will nicht aus der Führungsriege der SPD zurücktreten. "Ich will auch weiter dazu beitragen, dass die SPD gestärkt wird, auch als Oppositionsführer im deutschen Bundestag", sagt Steinmeier im Willy-Brandt-Haus.

18.38 Uhr: Klaus Wowereit hat die Ergebnisse gefasst aufgenommen. „Wenn man seit Monaten mit diesen Zahlen konfrontiert ist, ist das Ergebnis natürlich wenig überraschend,“ sagt er. Er sieht das Ergebnis als eine Möglichkeit für die Partei, sich zu erneuern und mit jungen Leuten zu verstärken. " Jetzt wird Angela Merkel ihren Heiligenschein verlieren, weil sie nicht mehr hinter der großen Koalition verstecken kann." Dann verlässt Wowereit das Fernsehstudio und fährt direkt in den Reichstag, dort hat er weitere Interviews und Termine.

18.30 Uhr: Anruf in der Berlin-Redaktion. "Können Sie mir sagen, wie die Wahl ausgegangen ist", bittet eine von Motorenlärm gedämpfte Männerstimme. Einen Moment lang herrscht Verwirrung am Redaktionstisch. "Sie können doch die Ergebnisse im Internet oder im Fernsehen oder im Radio erfahren", antwortet der Redakteur. "Nein, eben nicht. Ich bin Fernfahrer", röhrt es durchs Telefon: "auf Tour durch Europa, ohne Tagesspiegel. Ich will wissen, wie es in Berlin ausgegangen ist: Hat Ingo Schmitt in Charlottenburg gewonnen und Gregor Gysi seinen Wahlkreis wieder geholt?"  Na sowas; ein politisch interessierter Fernfahrer; haben die früher nicht nur AFN gehört? Dem Mann kann noch nicht geholfen werden - die Auszählung läuft noch. Aber einen speziellen Trucker-Service, warum nicht. "Rufen Sie kurz vor Mitternacht nochmal an", sagt der Redakteur.

18.27 Uhr: Bärbel Höhn hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben. "Diese Wahl ist noch lange nicht entschieden", sagt die Grüne.

18.23 Uhr: Eine Studentengruppe aus Karlsruhe auf der Party der Bundeszentrale ist gut gelaunt. Einer der Studenten, schwarzer Pferdeschwanz, sagt, er sei überracht, dass es so deutlich ist. "Ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht." Die Karlsruher wollen aber trotzdem feiern. Ein anderer aus der Gruppe, blonder Pferdeschwanz, sagt: "Wir wollen nachher noch auf die CDU-Wahlaprty. Da ist die Stimmung bestimmt am besten."

18.17 Uhr:  Rhein-Neckar-Arena zu Sinsheim: Bundesliga trifft Bundestag. Mal was Neues aus Berlin, aber nicht von Fußballern von Hertha BSC, die sind in der ersten Halbzeit von 1899 Hoffenheim richtig schön vorgeführt worden. „Werfen wir doch mal einen Blick auf die ersten Wahlergebnisse“, sagt der Mann am Stadionmikrofon, als beide Mannschaft zur Halbzeit in die Kabine gehen. Auf den beiden Videotafeln leuchten die ersten Hochrechnungen auf. Das Publikum, berauscht vom furiosen Hoffenheimer Angriffsfußball, es mag nicht lachen, pfeifen oder jubeln. Es schweigt. Desinteressiert. Fußball ist eben doch eine unpolitische Angelegenheit.




18.17 Uhr: 

Auf der Party der Bundeszentrale für politische Bildung, der Telekom, des Tagesspiegels und weiterer Partner im ZDF-Studio geht ein Raunen durch die Menge als das schlechte Ergebnis der SPD bekannt gemacht wird. Ein Besucher sagt, er hätte auf eine weitere große Koaltion gehofft. "Ich bin schockiert, dass es schwarz-gelb zu werden scheint." Boenigk klatscht, als das gute Ergebnis der Linke im Bund und in Brandenburg verkündet wird und sagt: "Aber die SPD darf sich nicht wundern."

18.11 Uhr: 
Der Regierende meldet sich zu Wort. Klaus Wowereit sagt im ZDF: "Das kann man nicht auf den einen oder anderen abwälzen. Hier trägt die Partei die Verantwortung für das schlechte Wahlergebnis. Beiden Parteien ist die große Koalition nicht bekommen."

18.01 Uhr: Kein Flashmob. Die Wahlbeteiligung sinkt auf rund 70 Prozent, den historischen Tiefstand bei einer Bundestagswahl. Die, die wählen gegangen sind haben laut Forschungsgruppe Wahlen mehrheitlich CDU/CSU und FPD gewählt. Nach der ersten Prognose der Forschungsgruppe Wahlen reicht es für Schwarz-Gelb, auch ohne Überhangmandate.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, was vor der ersten Prognose in Berlin und Deutschland passiert ist.

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