Politik : Immer mehr Kriege sind Bürgerkriege

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Berlin Die Welt ist auch 2004 nicht friedlicher geworden. Zwar ging die Anzahl der Kriege weltweit von 13 auf drei zurück, zugleich stieg jedoch die Zahl der so genannten ernsten Krisen von 23 auf 33, wie das Heidelberger Institut für Internationale Konfliktforschung (HIIK) am Montag in Berlin mitteilte. Der seit drei Jahren beobachtete Rückgang von Kriegen und ernsten Krisen sei inzwischen zum Stillstand gekommen, hieß es.

Insgesamt habe sich die Art der Kriege verändert. „Wenn wir heute vom Krieg sprechen, meinen wir den innerstaatlichen Krieg“, sagte HIIK-Vorstandsmitglied Nikolas Schwank. Konfliktgegenstand sei die Abspaltung von einem Staat, die Forderung nach Autonomie oder Streit um regionale Vorherrschaft in rohstoffreichen Gebieten. Klassische zwischenstaatliche Konflikte um Territorien oder internationale Macht würden dagegen zunehmend gewaltfrei ausgetragen.

Die Gefahr für den Weltfrieden und die internationale Sicherheit gehe damit nicht mehr von den Staaten direkt aus. Ein Problem sind laut Tanja Börzel vom Wissenschaftlichen Kuratorium des HIIK vielmehr schwache Staaten, in denen die Staatsautorität wenig ausgeprägt ist und die durch interne Konflikte ein Risiko für die internationale Sicherheit darstellen.

In der Konfliktbewältigung sei die Bedeutung der Vereinten Nationen ungebrochen. Allerdings müssten die UN ihre Instrumente effektiver nutzen, forderte Börzel. Die Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) beobachtet ebenfalls eine Entwicklung von zwischenstaatlichen zu innerstaatlichen Kriegen. Allerdings variieren die Zahlen der beiden Institute über Kriege leicht. So wurden laut AKUF 2004 weltweit 26 Kriege geführt und 16 bewaffnete Konflikte ausgetragen. Das sei der niedrigste Stand seit 1993. ddp

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