Politik : Immer nur lächeln

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Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

War Buster Keaton ein guter Schauspieler? Buster Keaton – um das für die Jüngeren unter unseren Lesern kurz zu erläutern – war ein Star der Stummfilm-Ära, dessen Markenzeichen darin bestand, dass er der Mann war, „der nie lächelte“. In Wahrheit eine höchst unzureichende Beschreibung, weil er nicht nur nie lächelte, sondern überhaupt sein Gesicht nie verzog, vielmehr noch am Zeiger einer Turmuhr baumelnd seine gesammelte, etwas besorgte, resigniert traurige Miene trug. Und weil Keaton in seinen Filmen ständig von vielerlei Unglück heimgesucht wurde, muss man sagen: Er war der perfekte ernste Mann in ernsten Zeiten. Aber war er ein guter Schauspieler? Die Frage ist aktuell bedeutsam, weil nämlich, wenn sie mit Ja zu beantworten wäre, Edmund Stoiber der natürliche nächste Kandidat für den Gertrud-Eysoldt-Ring wäre, mit dem die Schauspiel-Gilde jährlich ihren Besten ehrt. Für seine Rolle als „Der Mann, der immer lächelt“ in dem Italo-Western „Das Duell“ hätte der Darsteller Stoiber das Juwel jedenfalls verdient. Hingegen würden wir uns schwer tun, seinen Mitspieler in besagtem Zwei-Personen-Stück unter die Ring-Gefährten aufzunehmen. Gerhard Schröder gilt zwar gemeinhin als genialer Darsteller auf der politischen Bühne. Das ist aber ein Irrtum. Der Mime Schröder gibt höchst überzeugend einen gut gelaunten Menschen, wenn es ihm gut geht. Er gibt absolut perfekt den Übellaunigen, wenn ihm die ganze Chose nicht passt. Gerhard Schröder ist ein begnadeter Selbstdarsteller. Aber genau deshalb ist er ein ganz schlechter Darsteller. Den Unterschied haben sie in der Kampa offenbar nicht kapiert. Die kennen Buster Keaton nicht. Robert Birnbaum

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