Politik : Immigranten: Leben in zwei Staaten

Niedrigere Flugtarife und Telefonkosten haben dazu geführt, dass sich immer mehr Auswanderer nicht mehr zwischen der alten und der neuen Heimat entscheiden müssen. Das geht aus dem am Donnerstag in Genf veröffentlichten Weltmigrationsbericht 2000 hervor.

Besonders viele Menschen aus Nordafrika und der Türkei, die wegen besserer Arbeitsmöglichkeiten nach Westeuropa gezogen seien, pendelten oft zwischen zwei Staaten. Ähnliches lässt sich bei Chinesen in Kanada, Australien und den USA beobachten sowie bei lateinamerikanischen Auswanderern und Menschen aus Mosambik und Lesotho, die ihr finanzielles Glück in Südafrika suchen. Laut IOM hat dieser Trend inzwischen mehrere Staaten zu einer Lockerung ihrer Gesetzgebung zur doppelten Staatsbürgerschaft veranlasst.

Zu den Ländern, in denen die Regierung die Auswanderung aktiv fördert, zählt die IOM die Türkei, die Philippinen, Südkorea, Indien, Pakistan, Bangladesch, Sri Lanka, Jamaika, Kuba, Barbados, Mexiko, El Salvador und Nicaragua. Gründe für diese Politik sind vor allem die Entlastung des einheimischen Arbeitsmarktes und die Überweisungen der Arbeitsmigranten. In El Salvador überstiegen diese Überweisungen zeitweise den Wert der gesamten Exporte des Landes.

Nach IOM-Angaben sind es immer häufiger auch Frauen, die auswandern, um ihre Familien in der Heimat zu unterstützen. Insgesamt machen Frauen inzwischen 47,5 Prozent aller Migranten weltweit aus. Weltweit leben heute 150 Millionen Menschen freiwillig oder gezwungenermaßen als Ausländer in fremden Staaten. Der "Weltmigrationsbericht 2000" teilt die Einwanderer, die mindestens ein Jahr lang im Ausland leben, in zwei Gruppen ein. Auf der einen Seite zwängen Kriege und Bürgerkriege, wirtschaftliche Not und Umweltkatastrophen Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. Auf der anderen Seite nähmen Arbeitnehmer gerade im Zeitalter der Globalisierung wegen besserer Arbeitsbedingungen immer häufiger aus freien Stücken Arbeitsplätze in fremden Ländern an.

0 Kommentare

Neuester Kommentar