Politik : Immigration: Auf der Suche nach dem Glück - Wie London vorbeugen will

Hendrik Bebber

Für die zwei Überlebenden der Flüchtlingstragödie erschien der britische Zollbeamte wie "ein rettender Engel". Wie die "Press Association" aus dem Krankenhaus erfuhr, erzählten sie der Polizei über einen Dolmetscher, wie sie verzweifelt in der Dunkelheit des Kühllastwagens über die Leichen ihrer 58 Leidensgenossen krochen, und vergeblich nach einem Ausweg vor dem drohenden Erstickungstod suchten. "Sie schlugen gegen die Tür und brüllten sich heiser, bis sie vor Erschöpfung und Luftmangel aufgaben, bis sich plötzlich wie durch ein Wunder die Ladeluke öffnete," berichtete der ungenannte Zeuge des Verhörs.

Bei den Opfern handelt es sich um Chinesen aus den südlichen Provinzen Guangdong, Fujian und Zhejiang. Experten sagen, dass weniger politischer Druck sie zur Emigration zwang als die über 150-jährige Tradition, im Ausland ihr Glück zu versuchen. Anfang dieses Jahres entdeckte der US-Grenzschutz 150 dieser Chinesen in der Ladung eines in Seattle angelegten Frachters. Das chinesische Sicherheitsministerium gab bekannt, dass ihre Polizei 1999 über 9000 blinde Passagiere an der Ausreise gehindert und 900 Mitglieder von Schlepperbanden verhaftet hätten.

Die Tragödie von Dover setzte die Debatte um das verschärfte Asylrecht in Großbritannien wieder in Gang. Da eine offene Einreise für die Prüfung des Asylantrages kaum mehr möglich ist, riskieren Flüchtlinge Leib und Leben, um sich einzuschleichen. London drängt jetzt auf verstärkte internationale Zusammenarbeit gegen die Menschenhändler, die als ebenso große Gefahr angesehen werden, wie die Drogenkartelle. Das Innenministerium prüft die Möglichkeit, dass potenzielle Flüchtlinge ihren Asylantrag bei britischen Konsulaten und Botschaften in ihren Heimatländern stellen können, um das Risiko der Abweisung oder gar ein schlimmeres Schicksal in den Händen von Schlepperbanden zu vermeiden.

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