• Immigrationsminister Philip Ruddock über Erfahrungen mit dem Zuzug ausländischer Fachleute

Politik : Immigrationsminister Philip Ruddock über Erfahrungen mit dem Zuzug ausländischer Fachleute

Claudia von Salzen

Nicht nur in Deutschland wird verstärkt über die Einwanderung hoch spezialisierter Fachleute nachgedacht. Australien gilt als eines der klassischen Einwanderungsländer, das in den vergangenen Jahrzehnten eine beachtliche Zahl von qualifizierten Arbeitskräften ins Land gelassen hat. In den letzten beiden Jahren hat die australische Regierung ihr Einwanderungsprogramm jedoch noch weiter zu Gunsten dieser Fachleute geändert - und dadurch auch neue Impulse für die Wirtschaft des Landes erzielt.

Früher seien 70 Prozent der Einwanderer Familienangehörige von Einwohnern gewesen, und nur 30 Prozent waren qualifizierte Arbeitskräfte, berichtete Philip Ruddock, der australische Minister für Einwanderung und multikulturelle Angelegenheiten, im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Das Familienprogramm wurde aber in vielen Fällen missbraucht, beispielsweise durch Scheinehen. "Dadurch sank die öffentliche Unterstützung für das gesamte Migrationsprogramm", sagte Ruddock bei seinem Besuch in Berlin. Um das Vertrauen der Bevölkerung in den Nutzen der Einwanderung wieder zu stärken, wurde die Gewichtung zu Gunsten der Fachleute verschoben. Im vergangenen Jahr wurden 72 000 Einwanderer ins Land gelassen - etwa die Hälfte von ihnen qualifizierte Arbeitskräfte. Unabhängig davon nahm das Land gemäß seinem Humanitären Programm 12 000 Flüchtlinge und andere Schutzbedürftige auf.

Mit der verstärkten Einwanderung von Fachleuten haben die Australier gute Erfahrungen gemacht. Forschungsergebnisse hätten gezeigt, dass dadurch das Bruttosozialprodukt pro Kopf und Jahr um 103 Dollar anstieg, bilanzierte der Einwanderungsminister: "Als Folge dieser Veränderungen scheint es jedem Australier besser zu gehen." Auch auf den Staatshaushalt wirkte sich das neue Einwanderungsprogramm positiv aus. Durch die qualifizierten Arbeitskräfte kam so viel Geld in die Staatskasse, dass daraus auch die Kosten des Humanitären Programms getragen werden konnten - und es blieb sogar noch etwas übrig. Auf dem Arbeitsmarkt machen sich die Veränderungen ebenfalls bemerkbar: "Indem das ausgewogene Einwanderungsprogramm die Wirtschaft ankurbelt, schafft es auch neue Arbeitsplätze." Ein Teil der Fachleute kommt über das "Business-Programm" ins Land. Sie müssen unternehmerische Erfahrung und Kapital mitbringen - und gründen damit eine Firma in ihrer neuen Heimat. Jeder dieser Einwanderer schaffe im Schnitt sechs neue Arbeitsplätze, sagte Ruddock.

Ein weiterer Teil der Einwanderer wird von den Arbeitgebern angefordert, wenn die Stellen nicht vom australischen Arbeitsmarkt besetzt werden können. Die Bewerber müssen hier genau die verlangten Fähigkeiten mitbringen. Auch von dieser Gruppe profitiere die australische Wirtschaft insgesamt. Die übrigen Fachleute, die über das Migrationsprogramm einwandern, werden nach einem Punktesystem beurteilt, das sowohl ihre berufliche Qualifikation als auch die Sprachkenntnisse bewertet.

Ob die Fachleute nur befristet bleiben oder eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis bekommen, richtet sich nicht zuletzt nach dem Bedarf der Firmen. Das australische Einwanderungsministerium setzt auch hier auf Flexibilität. Generell gilt, dass aus einem Gastarbeiter mit einem befristeten Visum unter bestimmten Bedingungen ein Einwanderer werden kann. "Wenn man den Leuten die Möglichkeit nimmt, sich dauerhaft im Land niederzulassen - mit dem Anspruch darauf, Australier zu werden -, dann verringert man die Erfolgschancen des Programms", erläuterte Ruddock.

Auch wenn sich Australien als Einwanderungsland versteht - unkontrollierte Zuwanderung soll entschieden bekämpft werden. Eines der Hauptanliegen des Ministers bei seinem Europabesuch ist die Kontrolle der illegalen Einwanderung. Ruddock sprach sich für eine intensive Zusammenarbeit mit anderen Ländern aus. Das Asylrecht dürfe nicht als Hintertür für Migration missbraucht werden, betonte der Minister, der sich für eine Beibehaltung des internationalen Flüchtlingsschutzes einsetzt. "Wir müssen öffentliche Unterstützung für die Aufnahme derer sichern, die Zuflucht suchen."

0 Kommentare

Neuester Kommentar