Politik : Impfstoff gegen weltweite Grippeepidemie bald verfügbar

Ingo Bach

Berlin - Experten erwarten, dass bereits im kommenden Frühjahr der Prototyp für einen Impfstoff gegen eine weltweite Grippeepidemie – eine so genannte Pandemie – zur Verfügung steht. „Ich rechne damit, dass Ende 2005 ein Pharmaunternehmen die europäische Zulassung für ein solches Präparat beantragen wird“, sagte Johannes Löwer, Präsident des für Impfstoffe zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), dem Tagesspiegel. Das Zulassungsverfahren werde dann noch einmal rund drei Monate dauern. Laut Löwer würden die Aufsichtsbehörden es sicherlich auch tolerieren, wenn dieser Stoff für den Menschen weniger gut verträglich wäre, als herkömmliche Influenza-Impfstoffe. „Das wäre bei einer Pandemie, die allein in Deutschland zehntausende Menschenleben bedrohen könnte, hinnehmbar“, sagte Löwer.

Der Nutzen dieses Prototyps sei, dass er die Entwicklungszeit eines Impfstoffs gegen einen derzeit noch unbekannten Grippeerreger stark verkürzt. „Dadurch könnte man schon etwa drei Monate nach der Identifizierung eines für den Menschen gefährlichen Grippeerregers den ersten Impfstoff ausliefern“, sagt Löwer. Ohne diese Vorarbeiten müsse man von einer unabsehbar langen Frist ausgehen.

Der Hauptunterschied eines pandemischen gegenüber einem herkömmlichen Impfstoff ist der deutlich geringere Gehalt an Genmaterial des Krankheitserregers, das zur Immunisierung benötigt wird. Dieser Gehalt liegt bei etwa einem Fünftel eines normalen Impfstoffs. Seine immunisierende Wirkung wird chemisch verstärkt. Diese Neuentwicklung hat einen einfachen Hintergrund: Je mehr Genmaterial im Impfstoff enthalten ist, desto länger dauert dessen Produktion. Zeit ist aber das, woran es bei einer Pandemie mangelt. Dann muss nämlich schnellstmöglich geimpft werden, um die Ausbreitung der Erreger zu stoppen – am besten gleich die gesamte Bevölkerung.

Löwer begrüßte, dass die Bundesregierung bis 2010 insgesamt 20 Millionen Euro in die Impfstoffforschung stecken möchte. Eine vorbeugende Bevorratung mit einem Impfstoff gegen eine ausbrechende Pandemie hält er aber nicht für sinnvoll. „Wir müssen warten, bis der Erreger genau identifiziert ist. Erst dann kann man einen maßgeschneiderten Impfschutz herstellen“, sagte der PEI- Präsident. Die Kosten einer solchen Abwehrstrategie seien hoch, so Löwer. Man benötige für den Schutz der 80 Millionen Deutschen 160 Millionen Dosen. Jede Impfung bestehe aus zwei Spritzen. Löwer rechnet mit einem Preis von 10 Euro pro Dosis – insgesamt macht das somit 1,6 Milliarden Euro.

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