Politik : Impuls zur Ächtung von Minen

Friedensnobelpreis für Anti-Minen-Kampagne / Jelzin: Rußland übernimmt Verbot OSLO (de/dpa).Die Internationale Kampagne zum Verbot der Landminen (ICBL) und deren Koordinatorin Jody Williams erhalten den mit 1,7 Millionen DM dotierten Friedensnobelpreis.Das norwegische Nobelkomitee äußerte am Freitag in Oslo anläßlich der Bekanntgabe seiner Entscheidung die Hoffnung, daß die Auszeichnung mehr Länder als bisher zum Anschluß an die Minenverbotskonvention veranlassen werde. Rußlands Präsident Jelzin teilte in einer ersten Reaktion mit, daß Moskau das Verbot von Landminen übernehmen will.Dies erfolge selbst dann, wenn eine andere westliche Macht fehle.Er ließ aber offen, ob Rußland den im Dezember vorliegenden Verbotsvertrag in Ottawa unterschreiben wird.Unbeeindruckt davon bleibt US-Präsident Clinton "felsenfest" bei seinem Nein zur völligen Beseitigung dieser Sprengkörper.Das unterstrich sein Sprecher McCurry in einer ersten Reaktion.Clinton wollte Williams aber gratulieren.Die Militärs bestünden darauf, daß Landminen zur Sicherung der Demarkationslinie zwischen Nord- und Südkorea nötig seien, so McCurry.Die Europäische Kommission äußerte sich "hocherfreut, daß der Preis an diese Kampagne verliehen wurde". Bundesregierung, humanitäre Organisationen und Parteien begrüßten ebenfalls die Vergabe des Friedensnobelpreises."Die Wahl hätte in diesem Jahr nicht besser ausfallen können", erklärte Außenminister Kinkel.Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Ipsen, sah in der Entscheidung "Rückenwind" für den Kampf des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) zur endgültigen Ächtung von Minen. IKRK-Sprecher Lazzarini begrüßte die Entscheidung des Osloer Nobel-Komitees und sagte, die internationale Gemeinschaft müsse aber weiter für ein komplettes Landminenverbot mobilisiert werden.Außerdem müsse für die Minenopfer und die Entminungs-Programme mehr getan werden. Der Friedensnobelpreis für die Landminenkampagne stigmatisiert auch jene Länder, die sich bisher weigern, einen weltweiten Anti-Minen-Vertrag zu unterzeichnen.Dies erklärte die an der Kampagne beteiligte Gruppe Handicap International in Brüssel.Sie erinnerte daran, daß die USA, China, Rußland, Pakistan und Indien zu den Ländern gehörten, die im Dezember nicht den Vertrag von Ottawa für ein allgemeines Landminenverbot unterzeichnen wollen. Der Vorsitzendes des Nobelkomitees, Sejersted, sagte bei der Verkündung, heute lägen weit mehr als 100 Million Anti-Personen-Minen in großen Gebieten auf mehreren Kontinenten.Diese Sprengsätze töteten blind und seien eine Bedrohung der Zivilbevölkerung und der wirtschaftlichen Entwicklung der betroffenen Länder.Binnen weniger Jahre hätten die ICBL und ihre Organisatorin die Vision eines Verbots gegen die Landminen zur nahen Realität werden lassen.Nicht zuletzt das Engagement der im August tödlich verunglückten Prinzessin Diana hatte die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf die Minengefahr gelenkt.Der Preis wird am 10.Dezember in Oslo überreicht.

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