Politik : In Äthiopien droht eine neue Hungerkatastrophe

Addis Abeba/Berlin - 25 Jahre nach der schweren Hungerkatastrophe in Äthiopien hat das Land am Horn von Afrika am Donnerstag die internationale Gemeinschaft um Lebensmittelhilfe für 6,2 Millionen Menschen gebeten. Äthiopien leidet wie die gesamte Region am Horn von Afrika unter anhaltender Dürre und Lebensmittelknappheit. Nach UN-Schätzungen sind rund 24 Millionen Menschen in sieben Ländern der Region von Hunger bedroht, zahlreiche Kleinkinder sind bedrohlich unterernährt. Nach Schätzungen des Welternährungsprogramms sind allein in Äthiopien mehr als zehn Millionen Menschen von Dürre betroffen und 4,6 Millionen von Hunger und Unterernährung bedroht.

Der Hilfsappell der Regierung ist bemerkenswert, weil die Regierung des Premierministers Meles Zenawi monatelang versucht hat, die Hungerkrise zu dementieren. Die Ernährungszentren von Hilfsorganisationen, in denen unterernährte Kinder wieder aufgepäppelt werden können, sind schon vor Jahren fast alle geschlossen worden. Obwohl es jedes Jahr in der Trockenzeit in einigen Regionen zu Hungerkrisen kommt, hat die Regierung die Wiedereröffnung der Zentren verhindert. Stattdessen können sich Mütter nun die dafür vorgesehene Spezialnahrung abholen und ihren Kindern zu Hause geben.

Das Grundproblem, dass die meisten äthiopischen Bauern ihre ohnehin viel zu kleinen Felder nicht bewässern können, ist noch immer ungelöst. Die Regierung verpachtet die Felder zudem nur jährlich, die Bauern müssen stets fürchten, ihr Land zu verlieren, wenn ihnen unbotmäßiges Verhalten unterstellt wird. Der Boden ist vielerorts übernutzt und der Erosion ausgesetzt. Nahezu im ganzen Land sind die Wälder, die den Boden hätten halten können, in den vergangenen 50 Jahren abgeholzt worden. Im Jahr 1984 verhungerten in Äthiopien mehr als eine Million Menschen. dpa/deh

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