Politik : In aller Freundschaft

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Deutschland und Frankreich pflegen seit 40 Jahren ihre Freundschaft, weshalb ein deutscher Tourist in Paris kaum mehr Gefahr läuft, als Nazi beschimpft zu werden. Einige Klischees – oder Wahrheiten – sind trotzdem tief verwurzelt. Der Deutsche an sich, so die gängige Meinung in Frankreich, hat wenig Humor, es mangelt ihm an Esprit und an Umgangsformen. Außerdem ist er oft unangenehm direkt und furchtbar Technikbesessen. Dafür lobt man seine Sauberkeit und die deutsche Zuverlässigkeit.

In Großbritannien laufen fast täglich Sendungen über Weltkrieg und HitlerDeutschland, was das Bild von den Deutschen nachhaltig prägt. Stehen sich England und Deutschland auf dem Fußballfeld gegenüber, kennt die Boulevardpresse des Königreichs kein Halten mehr: Sauerkraut, Lederhosen und Pickelhaube, das sind die Attribute der biertrinkenden Germanen mit Großmannssucht. Dagegen ist bisher auch die Kampagne des Goethe-Instituts in der britischen Hauptstadt nicht angekommen, die mit Postkarten versucht, den Briten deutschen Humor ein wenig näher zu bringen.

„Moffen“ – so hießen wenig schmeichelhaft und kaum übersetzbar die Deutschen lange Zeit in den Niederlanden . Aber solche Klischeevorstellungen leben jetzt nur gelegentlich bei Länderspielen der klassischen Fußballrivalen wieder auf. Heute lautet der Alarmruf: „Die Deutschen bleiben aus“. So jedenfalls meldete es ein Rundfunksender über ausbleibende Urlauber. Tourismusexperten halten das aber für Unsinn.

Im Vergleich zu früher hat sich das Verhältnis zwischen Polen und Deutschen gebessert. Nach leidvoller Erfahrung aus der Geschichte hieß es, dass „der Pole dem Deutschen kein Freund sein kann, so lange die Welt besteht“. Inzwischen gelten die Deutschen aber nur noch als arrogante, mächtige und bisweilen bierselige Schnösel. Und ein paar positive Eigenschaften gibt es auch: Fleißig sind sie, die Deutschen, arbeitsfreudig und diszipliniert, die Deutschen – und vielleicht ein bisschen langweilig.dpa/Tsp

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