Politik : In Birma stehen 100 000 Kinder unter Waffen

Dennis Grabowsky

Berlin - In Birma gibt es weltweit die meisten Kindersoldaten. Bis zu 100 000 Kinder sind in Armee und Widerstandsgruppen direkt an Kampfhandlungen beteiligt. 90 Prozent davon in den staatlichen Streitkräften. Das geht aus dem Weltreport Kindersoldaten 2008 der „coalition to stop the use of child soldiers“ vor, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Danach entstammen die meisten Kindersoldaten oppositionellen Minderheiten. Sie werden gewaltsam rekrutiert und nicht selten gezwungen gegen die eigenen Dörfer und Familien vorzugehen. Desertionen werden hart bestraft, und wem die Flucht gelingt, auf den warten hinter der thailändischen Grenze schon die Kinderhändler.

Weltweit werden etwa eine Viertelmillion Kinder und Jugendliche als Soldaten missbraucht, heißt es. 26 Regierungsarmeen haben Minderjährige in ihren Reihen, in 24 Ländern rekrutieren nichtstaatliche Gruppen Mädchen und Jungen. So sei zwar die Zahl der Konflikte, in denen Kindersoldaten kämpften, in den vergangenen drei Jahren von 27 auf 17 zurückgegangen, sagte Ralf Willinger von Terre des Hommes, allerdings würden weiterhin in fast allen aktuellen Konflikten Kinder als Soldaten eingesetzt, „weil sie billiger und leichter manipulierbar sind“. Besonders gravierend sei die Situation außer in Birma in Kolumbien und der Demokratischen Republik Kongo. „Die Verantwortlichen für diese Kriegsverbrechen müssen endlich vor internationale Gerichte kommen“, sagte Willinger weiter.

Neben der gewalttätigen Rekrutierung auch unter Drogeneinsatz sind es vor allem Armut, Hunger und die Suche nach Schutz in militärischen Konflikten, die Kinder in bewaffnete Verbände treiben. Der Report konstatiert, dass es nahezu unmöglich sei, Kinder während eines Konflikts zu demobilisieren. „Frieden bleibt der wesentliche Hoffnungsfaktor.“

In Europa haben laut Report acht staatliche Armeen nachweislich Minderjährige in ihren Reihen, darunter die Bundeswehr, bei der 17-Jährige freiwillig Dienst leisten können. Großbritannien schickt jugendliche Soldaten sogar in Kampfeinsätze in den Irak.Dennis Grabowsky

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