Politik : In Bosnien legen die oppositionellen Sozialdemokraten bei den Kommunalwahlen zu

Bei den bosnischen Kommunalwahlen haben sich die Wähler zumindest im moslemischen Landesteil vom nationalistischen Stimmverhalten verabschiedet und der sozialdemokratischen Oppositionspartei SDP zu Gewinnen verholfen. Die Sozialdemokraten eroberten alle vier Stimmbezirke in der Hauptstadt Sarajevo und gewannen die Gemeinderatswahlen in Gorazde, Tuzla, Zenica und Bihac, wie ihr Vizeparteichef Filipovic am Sonntag mitteilte. Die moslemische Nationalistenpartei SDA von Staatspräsidiumsmitglied Alija Izetbegovic gestand ihre Niederlage ein.

Bei der Wahl am Samstag war es zu zahlreichen Zwischenfällen gekommen. In der Serben-Hochburg Pale explodierte vor einem Wahllokal ein Sprengsatz. Verletzt wurde niemand. Aus der Serbischen Republik wurden Probleme wegen unvollständiger Wählerlisten gemeldet. Nach Behördenangaben war in mehreren Orten nur rund ein Zehntel der Wahlberechtigten auf den Listen registriert.

Im serbischen Landesteil beanspruchte die nationalistische Serbenpartei SDS eine Reihe von Siegen für sich. Nach eigenen Schätzungen wurde sie in der Hauptstadt der Serbischen Republik, Banja Luka, mit knapp 29 Prozent der Stimmen stärkste Kraft vor der gemäßigten sozialdemokratischen Partei SNSD von Ministerpräsident Milorad Dodik mit 27 Prozent. In der Serbenhochburg Pale konnte die SDS nach eigenen Angaben 69 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Auch im serbisch bewohnten Vorort der Hauptstadt Sarajevo errang sie demnach 47 Prozent.

Vor einem Wahllokal in der Stadt Bijelnina stürzte sich nach UN-Angaben ein mit einem Knüppel bewaffneter bosnischer Serbe auf einen Beamten der internationalen Polizeitruppe IPFT. Der Polizist blieb unverletzt, der Angreifer wurde festgenommen. Vor einem weiteren Wahllokal versperrte ein Mann vorübergehend den Eingang. Er konnte beim Eintreffen der Polizei fliehen. Hintergrund der Vorfälle war vermutlich ein Boykottaufruf der ultra-nationalistischen Serbenpartei SRS. Sie war von der Wahl ausgeschlossen worden.

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