Politik : In Demut und Reue

Beim Asien-Afrika-Gipfel bittet Japan um Vergebung für seine Kriegsgeschichte – erstmals vor vielen Staatsvertretern

M. Kleine-Brockhoff[Jakarta]

Mit „tiefer Reue“ hat sich Japans Regierungschef Junichiro Koizumi für die Kriegsvergangenheit seines Landes entschuldigt. Auf dem Asien-Afrika-Gipfel in Jakarta sprach er am Freitag vor Spitzenpolitikern aus fast 100 Staaten eine „tief empfundene Entschuldigung“ aus. Zudem kündigte der Premier für Samstag ein Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Hu Jintao an, bei dem die diplomatischen Spannungen zwischen den beiden Staaten ausgeräumt werden sollen. Hu Jintao sagte weder zu noch ab.

Die beiden Politiker nehmen bis Sonntag in Indonesiens Hauptstadt Jakarta am Asien-Afrika-Gipfel teil. In seiner Rede vor den Delegierten sagte Koizumi: „In der Vergangenheit hat Japan durch seine koloniale Herrschaft und Aggression den Menschen vieler Länder fürchterlichen Schaden und Leiden bereitet, besonders denen asiatischer Nationen. Japan sehe diese historischen Fakten „in einer Stimmung der Demut.“ Von Gefühlen „tiefer Reue und inniger Entschuldigung“ geprägt, sei Japan „resolut dabei geblieben, konstant seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges, niemals eine militärische, sondern eine wirtschaftliche Macht zu werden“.

Die Wortwahl ist nicht neu, 1995 und 1998 hatten sich Amtsvorgänger Koizumis ähnlich geäußert. Er selbst hatte 2001 bei einem Chinabesuch in Peking eine „innige Entschuldigung“ angeboten. Diese kam jetzt, in Jakarta, allerdings erstmals in Gegenwart von mehreren asiatischen Staats- oder Regierungschefs, deren Länder Japan im Zweiten Weltkrieg überfallen und besetzt hatte. Chinas Präsident Hu Jintao, der vor Koizumi geredet hatte, war nicht auf die aktuelle, von gewaltsamen Demonstrationen begleitete Krise im Verhältnis zu Japan eingegangen. Es geht unter anderem um japanische Schulbücher. China wirft Japan vor, darin seine blutige Vergangenheit zu verharmlosen.

Koizumis Entschuldigung wurde in Jakarta nicht gewürdigt. Chinas Außenministerium protestierte vielmehr dagegen, dass am Freitag japanische Parlamentarier in Tokio den Yasukuni-Schrein besuchten. Dort wird 2,5 Millionen japanischer Kriegstoter gedacht, auch sieben verurteilter Kriegsverbrecher. Koizumi besucht den Schrein jährlich, was immer zu Verstimmungen führt.

Das gespannte Verhältnis von zwei der mächtigsten Staaten Asiens überlagert das eigentliche Gipfelthema: eine neue strategische Partnerschaft mit Afrika. Vor 50 Jahren hatten 29 Vertreter von asiatischen und afrikanischen Ländern verabredet, enge Beziehungen zu knüpfen. Nachdem das nicht gelang, soll jetzt ein neuer Versuch gestartet werden. Angedacht sind engere Wirtschaftsbeziehungen und die Institutionalisierung der Partnerschaft. Wahrscheinlich wollen Asiaten und Afrikaner sich fortan zumindest auf Ministerebene regelmäßig treffen. Am Samstag soll eine Abschlusserklärung unterschrieben werden. „Wir haben große Fortschritte gemacht in Bezug auf das wichtige Ziel Süd-Süd-Kooperation. Wir wollen sie radikal ausbauen“, sagte Südafrikas Präsident Thabo Mbeki.

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