In der Türkei : Papst-Attentäter kommt bald frei

Fast 30 Jahre nach seinem Anschlag auf Papst Johannes Paul II. in Rom wird Mehmet Ali Agca möglicherweise an diesem Freitag erste Schritte in Freiheit tun können. Der heute 51-jährige Agca will in der Türkei auf Jobsuche gehen.

Susanne Güsten[Istanbul]

Nach Presseberichten beantragte der in einem türkischen Hochsicherheitsgefängnis einsitzende Agca bei der Staatsanwaltschaft, von diesem Freitag an als Freigänger seine Gefängniszelle über Tag verlassen zu können. Die türkischen Gesetze sehen den Freigang zwecks Arbeitsplatzsuche für Häftlinge vor, die einen Monat vor der Haftentlassung stehen. Eine Entscheidung der Staatsanwaltschaft über Agcas Antrag lag am Donnerstag noch nicht vor. Seine Haftzeit endet am 18. Januar.

Der aus der rechtsextremen Szene kommende Agca sitzt in der Türkei nicht wegen des Anschlages auf den Papst im Jahr 1981 ein, sondern wegen der Ermordung des Journalisten Abdi Ipekci zwei Jahre zuvor. Nach seiner Abschiebung aus Italien in die Türkei vor zehn Jahren war Agca wegen des Ipekci-Mordes hinter Gitter gekommen. Anfang 2006 wurde er aufgrund einer falschen Berechnung seiner Haftzeit für einige Tage freigelassen, anschließend aber wieder festgenommen. Nun läuft seine Zeit im Gefängnis ganz offiziell ab.

Agca sorgte in den vergangenen Jahren mehrmals mit teils wirren Äußerungen für Schlagzeilen. Mal kündigte er an, er wolle sich nach seiner Freilassung als Fremdenführer in Rom niederlassen, mal verdammte er den Vatikan als „Hauptquartier des Teufels“. Vor einigen Jahren berichteten türkische Zeitungen, Agca wolle hinter Gittern eine 30-jährige Journalistin heiraten. Außerdem soll er zum Katholizismus übergetreten sein.

Unklar ist, was Agca nach seiner Haftentlassung tun will. Nach italienischen Presseberichten trägt er sich mit dem Gedanken, nach Italien zu ziehen. Er wolle am Grab von Johannes Paul beten. Mit Blick auf seine baldige Entlassung soll der Papstattentäter viele Interview-Anfragen von Medien erhalten und ein Honorar von zwei Millionen Dollar verlangt haben. Außerdem schickte Agca laut Presseberichten dem Bestsellerautor Dan Brown, der mit Krimis über Verschwörungen in Kirchenkreisen berühmt wurde, per Brief einige Ideen für ein neues Buch. Arbeitstitel: „Der Vatikan-Code“.


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