Politik : In Deutschland soll ab 1998 Kennzeichnen von Rindfleisch Pflicht sein

Ankündigung des Agrarministeriums / Kontrolleure fahnden in Läden nach Konserven aus illegalen Importen HAMBURG (rtr).Im Skandal um möglicherweise illegale Rindfleischimporte aus Großbritannien herrscht Unklarheit, wieviel davon in deutsche Haushalte gelangt ist.In Hamburg und Schleswig-Holstein warnten Behörden vor dem Verzehr von Dosen-Labskaus, in dem verdächtiges Fleisch verarbeitet worden war; 8900 der 10 830 Dosen wurden sichergestellt.Lebensmittelkontrolleure fahnden in Geschäften nach dem Rest.Bayern widersprach, daß 40 Tonnen verdächtiges Rindfleisch bei Nürnberg verarbeitet worden seien.Ein Gesetzentwurf der Koalition sieht von 1998 an eine Kennzeichnungspflicht für Fleisch bis zur Ladentheke vor. Etwa 120 Tonnen der von einem Hamburger Fleischhändler importierten 616 Tonnen Rindfleisch wurden der Hamburger Staatsanwaltschaft zufolge in Deutschland verarbeitet.Vier Tonnen davon habe eine Firma bei Bremen zu 10 830 Labskaus-Konserven verarbeitet, von denen 2500 noch in der Firma, 6400 bei einem Hamburger Großhändler sichergestellt wurden.1900 Labskaus-Dosen seien aber an Geschäfte in Hamburg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Bremen geliefert worden, erklärte die Hamburger Gesundheitsbehörde.Die Warnung vor dem Verzehr ergehe aber nur vorsorglich, da noch nicht einmal geklärt sei, ob das Fleisch tatsächlich aus Großbritannien oder von BSE-kranken Rindern stamme. In Nordrhein-Westfalen hatte ein Betrieb Anfang Juni zehn Tonnen Fleisch zu Fleischwurst verarbeitet.Landesumweltministerin Höhn (Grüne) erklärte, die Ware sei an einen Großhändler mit bundesweitem Vertrieb gegangen.Da die Wurst höchstens vier Wochen haltbar sei, dürfte sie inzwischen verzehrt oder verdorben sein.Auch Würste aus einer Augsburger Fabrik, die 400 Kilogramm des Importfleisch verarbeitet haben soll, seien wahrscheinlich zum Teil in Frankfurter Gaststätten verspeist worden. Weitere 38,8 Tonnen wurden laut Staatsanwaltschaft von Firmen in Coburg und Kulmbach verarbeitet.Nürnberger Zollfahnder stellten in den Frachtbriefen fest, daß das Fleisch aus den Niederlanden geliefert worden ist.67 Tonnen Fleisch des Hamburger Importeurs wurden in Dresden zu Konserven verarbeitet und zwischen April und Juni nach Usbekistan exportiert.Ein Sprecher des Bonner Landwirtschaftsministeriums teilte mit, ein Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen sehe vor, daß von 1998 an jedes einzelne Stück Fleisch etikettiert werden müsse.

GroKo, Neuwahlen oder Minderheitsregierung? Erfahren Sie, wie es weitergeht - jetzt gratis Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben