Politik : In eigener Sache

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,

am Dienstag, den 22. April, wird im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit in Berlin eine öffentliche Anhörung stattfinden. Es geht um ein sogenanntes MinistererlaubnisVerfahren, bei dem entschieden werden soll, ob der Tagesspiegel durch den Kauf des Berliner Verlages mit der „Berliner Zeitung“ im Bereich von Vertrieb, Anzeigen und Verwaltung zusammenarbeiten darf, oder ob dies, wie vom Bundeskartellamt im Dezember 2002 entschieden, untersagt bleibt. Wir möchten Ihnen zu unserem Vorhaben einige Hintergrundinformationen geben:

Die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck hat im Jahre 1992 den Tagesspiegel von den Familien Maier und Dannenberger mehrheitlich übernommen. In den mehr als zehn zurückliegenden Jahren ist es gelungen, den Tagesspiegel mit Hilfe ausgezeichneter Journalisten und einer äußerst effizienten Verlagsmannschaft sehr erfolgreich weiter zu entwickeln. Dies wurde von den Lesern und Anzeigenkunden gewürdigt mit der Folge, dass der Tagesspiegel als einzige Zeitung in Berlin die Auflage stetig steigern konnte.

Die Verlagsgruppe von Holtzbrinck verfolgt als Familienunternehmen das Ziel, Qualitätsmedien in verlegerischer Eigenständigkeit zu führen und langfristig zu entwickeln. Dies wird mit Zeitungen wie „Die Zeit“ und „Handelsblatt“ ebenso unter Beweis gestellt wie mit Buchverlagen wie „S. Fischer“ und „Rowohlt“ oder mit internationalen Titeln wie „Nature“ und „Scientific American“. Auch die Tagesspiegel-Gruppe – zu der die „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ sowie die Zeitschrift „Zitty“ gehören – verdankt dieser Philosophie wesentliche Fortschritte.

Aufgrund der wiedervereinigungsbedingt schwierigen wirtschaftlichen Lage in Berlin und der außergewöhnlichen Wettbewerbssituation in der Stadt, in der mit dem Axel-Springer-Verlag ein Unternehmen eine absolut marktdominante Position inne hat, war und ist es trotz größter Anstrengungen und bisher übernommener Verluste von über 75 Millionen Euro nicht möglich, den Tagesspiegel ohne synergetische Kooperationsmöglichkeiten wirtschaftlich zu führen. Im Sommer 2002 sind Gruner + Jahr sowie die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck daher überein gekommen, dass Holtzbrinck die Berliner Zeitungsgruppe („Berliner Zeitung“, „Berliner Kurier“, „Tip“, Druckhaus Lichtenberg) erwirbt mit dem Ziel, den Tagesspiegel ebenso wie die Medien der Berliner Zeitungsgruppe durch eine enge Zusammenarbeit in den nicht-redaktionellen Bereichen auf eine nachhaltig gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen und dadurch die Medienvielfalt und viele qualifizierte Arbeitsplätze in Berlin zu erhalten.

Die Untersagung des Kaufes der „Berliner Zeitung“ wurde vom Bundeskartellamt damit begründet, dass die Holtzbrinck-Gruppe im Falle eines Erwerbes eine zu starke Position auf dem Lesermarkt der Berliner Abonnements-Tageszeitungen erringen würde. Die Segmentierung von Medienmärkten in die unterschiedlichsten Teilmärkte ist zwar Kartellamts-Praxis, kann aber im Einzelfall zum Abbau von Medienvielfalt statt zum Erhalt und zur Stärkung von publizistischer Vielfalt führen. Daher hat die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck beschlossen, den im Gesetz festgelegten Weg der „Ministererlaubnis“ zu beschreiten, bei dem es auf den „Gemeinwohlvorteil“ (in diesem Falle Erhaltung der Medien- und Meinungsvielfalt) ankommt.

Nur wenn Tagesspiegel und „Berliner Zeitung“ in den oben genannten Bereichen eng miteinander kooperieren dürfen, kann sich ein dauerhaft fairer Wettbewerb mit den vielen Zeitungen der Axel Springer Verlag AG einstellen – zum Wohle der Leser und der Anzeigenkunden.

Wir werden Sie, liebe Leserinnen und Leser, über den Fortgang des Verfahrens in Berlin informieren.

Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck

Verlag Der Tagesspiegel

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