• In einem Dorf im Kosovo sterben 100 Zivilisten / Nato schließt erneuten "Fehler" nicht aus

Politik : In einem Dorf im Kosovo sterben 100 Zivilisten / Nato schließt erneuten "Fehler" nicht aus

BELGRAD/BRÜSSEL (Tsp).Der Nato ist am Freitag möglicherweise abermals ein folgenschwerer Fehler unterlaufen.Nach serbischen Angaben wurden bei einem Streubombenangriff auf das Dorf Korisa im Kosovo 100 Zivilisten getötet.Dies wäre die bislang größte Zahl ziviler Opfer.Die Allianz wollte den Angriff weder bestätigen noch dementieren, räumte aber ein, "möglicherweise" einen Fehler gemacht zu haben.Es seien Kampfjets dort gewesen.UN-Menschenrechtskommissarin Robinson hatte zuvor der Nato vorgeworfen, "nahezu wahllos" militärische wie zivile Ziele anzugreifen.

Nach Belgrader Angaben wurden acht Streubomben auf Korisa bei Prizren abgeworfen.Viele Opfer seien Frauen und Kinder.In der Ortschaft habe es keine militärischen Einrichtungen gegegen.Am 14.April waren nach serbischen Angaben 75 Flüchtlinge bei Djakovica getötet worden.Ein Nato-Militärsprecher sagte Nachmittag, ein Fehler der Allianz sei möglich.In der Region habe die Allianz zahlreiche Angriffe geflogen.Die Ermittlungen, die bis zu 48 Stunden dauern könnten, seien im Gange.

Nach Nato-Angaben wurden in der Nacht zum Freitag die bislang schwersten Angriffe auf Jugoslawien geflogen.Zudem legten Bomber die Stromversorgung lahm und griffen Flugplätze, Brücken, Grenzposten und militärische Einrichtungen an.

UN-Menschenrechtskommissarin Robinson sagte in der BBC, es sei nicht hinnehmbar, daß die Nato so häufig Ziele in der Nähe ziviler Bereiche angreife und das Leben von Zivilisten aufs Spiel setze.Sie habe zum Beispiel bei Nis Kinder inmitten nicht explodierter Cluster-Bomben spielen sehen."Es gibt zu viele Fehler", stellte sie fest.Robinson schloß nicht aus, daß das Vorgehen der Nato auch vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zur Sprache kommen werde.

Derweil wurde auf diplomatischem Wege weiter nach einer Lösung gesucht.Der russische Jugoslawien-Beauftragte Tschernomyrdin kündigte einen gemeinsamen Vermittlungsversuch mit dem finnischen Präsidenten Ahtisaari in Belgrad an, falls dieser zum UN-Vermittler bestimmt werde.Ahtisaari wollte sich in den Niederlanden mit UN-Generalsekreträr Annan treffen.Dieser hat bisher die beiden Balkan-Beauftragten Bildt und Kukan für diplomatische Initiativen der UN gewonnen.In Brüssel unterrichtete der Staatssekretär im Auswärtigen Amt Ischinger Nato-Generalsekretär Solana über Bonner Vorstellungen einer Friedenslösung.

US-Präsident Clinton trug sich im Weißen Haus in ein Kondolenzbuch für die drei bei dem Angriff auf die Botschaft in Belgrad getöteten Chinesen ein.Er telefonierte auch mit Präsident Jiang Zemin.Anschließend war von einem "konstruktiven Gespräch" die Rede.China scheiterte im Weltsicherheitsrat in New York erneut mit einem vierten, obgleich deutlich abgeschwächten Entwurf, den Angriff förmlich zu mißbilligen.

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