In gegenseitigem Interesse : Wladimir Putin besucht Irans Staatschef Rohani

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Hält am Atomprogramm seines Landes fest: Irans Präsident Hassan Rohani. Foto: dpa
Hält am Atomprogramm seines Landes fest: Irans Präsident Hassan Rohani. Foto: dpaFoto: dpa

Moskau - Wladimir Putin ist der erste ausländische Staatschef, den Irans neuer Präsident Hassan Rohani nach seiner Amtseinführung empfängt. Russische Iran-Experten nannten die für Mitte August geplante Visite bereits historisch. Zu Recht. Es ist der erste offizielle Besuch eines Kremlchefs bei den Nachbarn am Südufer der Kaspi-See überhaupt.

Zwar war Putin schon im Oktober 2007 kurz in Teheran, doch nur als Teilnehmer eines Gipfels der Kaspi-Anrainer. Und auch Stalin war 1943 nicht nach Teheran gereist, um Schah Reza Pahlewi zu treffen, sondern um dort mit den westlichen Verbündeten der Anti-Hitler-Koalition zu konferieren.

Jetzt dagegen steht der gesamte Komplex der bilateralen Beziehungen auf dem Prüfstand. Iran entwickelt sich mehr und mehr zu einer Regionalmacht, auf deren Interessen Russland Rücksicht nehmen muss. Vor allem dort, wo sie sich überschneiden: im südlichen Kaukasus und in jenen Teilen Zentralasiens, die zum Einflussbereich iranischer Kultur gehören. Geplant ist auch ein Austausch zu internationalen Problemen. Vor allem zu Syrien.

Ohne Iran werde es keine tragfähige Lösung geben, warnt das russische Außenamt seit Beginn der Kämpfe im Winter 2011. Washington will mit dem Mullah-Regime nicht verhandeln, Putin daher Möglichkeiten für einen Kompromiss ausloten. Ebenso beim Streit um Irans Kernforschungsprogramm. Der Westen fürchtet, dieses diene militärischen Zwecken. Putin dagegen lobte, Iran halte sich an die Spielregeln für friedliche Nutzung der Atomenergie. Es gäbe keine Fakten, die vom Gegenteil zeugen würden.

Der Machtantritt des neuen iranischen Präsidenten müsse genutzt werden, „um die Verhandlungen voranzutreiben“, sagte eine Quelle im russischen Außenministerium der Nachrichtenagentur RIA nowosti. In Moskau glaubt man in der Tat, Rohani werde beim Atomstreit mehr Flexibilität als sein Vorgänger zeigen. Auch, weil Russland, das schon das von Siemens begonnene Kernkraftwerk Buschehr am Persischen Golf fertig baute, davon die Lieferung weiterer Reaktoren und moderner Luftabwehr abhängig machen will.

Das eigentliche Sagen in Teheran hat indes nicht Rohani, sondern der geistliche Führer: Ajatollah Ali Chamenei. Um ihn zu Kompromissen zu bewegen, heißt es im russischen Außenamt, müsse der Westen die anti-iranischen Sanktionen aufheben. Moskau hatte bereits vor zwei Jahren vergeblich einen Kompromiss vorgeschlagen. Putin will nun einen neuen Anlauf nehmen.

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