Politik : In geheimen Diensten

Der BND im Irak nutzte die Kenntnisse von Susanne Osthoff – eigene Recherchen sind zu gefährlich

Martin Gehlen

Viel ist spekuliert worden über die Verbindung der im Irak entführten Susanne Osthoff zum deutschen Bundesnachrichtendienst (BND). Auch wenn Pullach offiziell jede Stellungnahme verweigert, lichtet sich langsam das Dunkel. Und die Details fügen sich zu einem Bild zusammen. Auffällig war zunächst, dass Osthoff vor ihrer Entführung ausgerechnet einem BND-Mann in Bagdad einen Zettel mit der Autonummer ihres Wagens gegeben hatte. Dieser alarmierte dann später die Behörden. Solche Bekanntschaften jedoch sind in Bagdad nicht ungewöhnlich. Die Zahl der Deutschen in der hochgefährlichen Stadt ist extrem klein – man kennt sich und man hilft sich.

Als sie die Leute zum ersten Mal am Flughafen getroffen habe, hätten sie sich nicht als BND-Mitarbeiter zu erkennen gegeben, sondern seien als Diplomaten aufgetreten, sagte Osthoff am Montag in der ARD-Sendung „Beckmann". Das entspricht der üblichen Praxis. Deutsche Auslandsgeheimdienstler arbeiten in der Regel unter der Legende von Diplomaten, beispielsweise als Militärattachés oder auch als Kulturattachés.

Die Deutschen hätten sie gelegentlich auch privat besucht und sie nach ihrer Einschätzung der Lage gefragt, berichtete Osthoff weiter. Auch das ist glaubwürdig. Eigene Recherchen stellen BND-Männer in Bagdad schon lange nicht mehr an, weil es lebensgefährlich ist. In der Botschaft spottet man, die Geheimdienstler säßen meist nur noch am Fenster hinterm Vorhang und zählten die Panzer, die draußen vorbeifahren. Umso mehr sind sie auf Kontakte zu Deutschen draußen angewiesen, die – wie Susanne Osthoff von sich sagte – „völlig ungeschützt im Sunni-Dreieck herumspringen“.

Die Geiselnehmer haben Frau Osthoff nach ihren Angaben offenbar zunächst für einen jüdischen Geheimdienstoffizier gehalten– was im Irak ihren sicheren Tod bedeutet hätte. Es arbeiten zwar einige hundert Israelis im relativ sicheren kurdischen Teil des Iraks als „Berater“. Andere israelische Geheimdienstleute sind unter dem Schutz der US-Soldaten auf dem militärischen Teil des Bagdader Flughafens stationiert. Dass Frau Osthoff jedoch vom Mossad angeworben worden sei, glaubten am Ende selbst ihre Entführer nicht mehr.

Nach Information der „Welt“ war die 43-Jährige für den Bundesnachrichtendienst nur „gelegentlich“ tätig. Dafür hat Osthoff offenbar mitunter kleine Geldbeträge oder Spielzeug für ihre Tochter von insgesamt nicht mehr als 3000 Euro bekommen – eine Angabe, zu der die Archäologin in der Sendung „Beckmann“ die Aussage verweigerte. Regelmäßig Geld jedoch hat sie vom BND offenbar nicht bekommen, auch war sie keine systematische Mitarbeiterin. Vielmehr haben die deutschen Geheimdienstler sie abgeschöpft und auch ausgenutzt, um an Informationen zu kommen.

Nach Darstellung von Osthoff ging es vielfach auch um banale Hinweise, wie sich gegenseitig vor Explosionen oder Attentaten zu warnen. Das „muss man machen. Das ist das Minimum“, sagte sie in der ARD. Das sei eine Pflicht gegenüber jedem Landsmann – „und dann interessiert mich nicht, für wen der arbeitet“. Nur einmal habe der Vorgesetzte ihrer BND-Bekannten versucht, „über mich an Fotos von angeblichen Terroristen im Sunniten-Gebiet heranzukommen“, sagte Osthoff im „Stern“. Sie habe ihn klar gemacht, „dass ich mich nicht von hoch bezahlten Beamten benutzen und ausbeuten lasse“.

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