Politik : In Hamburg fliegen Steine und Flaschen

Dutzende Festnahmen nach friedlicher Demonstration von Globalisierungskritikern

Dieter Hanisch

Hamburg - Eine als Auftakt zu den G-8-Protesten angesehene Großdemonstration in Hamburg ist am Pfingstmontag weitgehend friedlich verlaufen – im Anschluss daran kam es aber an verschiedenen Stellen im Stadtkern zu Auseinandersetzungen von meist vermummten Globalisierungsgegnern mit der Polizei. Diese meldete bis Einbruch der Dunkelheit fast 90 Fest- und Ingewahrsamnahmen nach regelrechten Straßen- und Häuserkämpfen. Es flogen Steine, Farbbeutel, Flaschen, Rauchtöpfe und Knallkörper gegen die Beamten, Polizeifahrzeuge wurden beschädigt, zum Teil wurden Barrikaden errichtet.

Die Polizei hatte rund 3000 Beamte aufgeboten. Sie ließ mehrere Wasserwerfer und Räumpanzer auffahren, um Straßensperren zu beseitigen. Dabei gab es einen massiven Schlagstockeinsatz unmittelbar vor dem im Schanzenviertel gelegenen linksautonomen Kulturzentrum „Rote Flora“, das Kritiker des G-8-Gipfels auch als Treffpunkt nutzen. Polizeisprecher Ralf Meyer sprach davon, dass die Militanz der gewaltbereiten Szene sich in dem gesamten Stadtteil breit gemacht hatte. Dementsprechend wurde das Schanzenviertel von der Polizei weiträumig abgeriegelt. Alle Zufahrtstraßen wurden kontrolliert. Zugang war nur noch für Bewohner nach Vorzeigen der Personalausweise erlaubt.

Die Polizei zählte in ihren Reihen mehrere verletzte Beamte, Für kurze Zeit mussten sich 150 von ihnen ärztlich behandeln lassen, als sie mit einem unbekannten gasartigen Gemisch angegriffen wurden. Auch unter den Protestierenden gab es Verletzte. Anwälte berichteten, dass sie daran gehindert wurden, Kontakt mit Verhafteten aufzunehmen. Die Polizei rechnete mit einer unruhigen Nacht.

Der Protestzug mit mehr als 4000 Globalisierungsgegnern, die anlässlich des Asem-Gipfels mit den Außenministern der EU und der asiatischen Staaten auf die Straße gingen, verlief zunächst trotz zahlreicher Rangeleien friedlich. Die Polizei zählte 4000 Demonstranten, die G-8-Gegner sprachen von 6000 Teilnehmern. Neben einem zahlenmäßig starken „schwarzen Block“ reihten sich auch Linkspartei, Gewerkschaften und die Nichtregierungsorganisation Attac in den Protest ein.

Bereits in der Nacht zum Sonntag verzeichnete die Polizei in Hamburg den Versuch einer Straßenbarrikade im Stadtteil Altona. Daraufhin wurden drei Personen fest- und 53 Beteiligte in Gewahrsam genommen. Dieter Hanisch

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