Politik : In Honduras sollen Waffen schweigen

Jugendgangs bitten um Vergebung für Gewalt.

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Puebla - Ein Pakt zwischen den beiden größten und gefährlichsten Jugendbanden Honduras’ soll dem mörderischsten Land der Welt Ruhe verschaffen. Ab sofort würden die Waffen schweigen, verkündeten jetzt inhaftierte Anführer der beiden Gangs „Barrio 18“ und „MS-13“ im Gefängnis von San Pedro Sula.

Bei zwei getrennten Pressekonferenzen in ihren jeweiligen Trakten versprachen die Bandenchefs, die Zahl der Gewalttaten in dem mittelamerikanischen Staat zu verringern. „Unser Pakt ist mit Gott geschlossen, mit der Gesellschaft und dem Staat. Wir bitten um Vergebung für den Schaden, den wir angerichtet haben. Wir wollen fortan unseren Kindern und unseren Familien ein Beispiel geben“, sagte ein vermummtes Mitglied der „MS-13“. Es handele sich aber nicht um einen Waffenstillstand mit der anderen Bande, sondern um ein Versprechen an die Gesellschaft. Ein Anführer von „Barrio 18“ äußerte sich ähnlich. „Viele Unschuldige sind durch diesen Krieg in Mitleidenschaft gezogen worden. Wir wollen Frieden und geben unser Wort, dass wir fortan das Gebiet der anderen Bande respektieren, wenn sie unseres respektieren.“

Im Gegenzug hat die Regierung den Gangmitgliedern eine Rehabilitierung sowie Arbeitsmöglichkeiten angeboten. Präsident Porfirio Lobo hat dem vermittelnden Weihbischof Romulo Emiliani seine volle Unterstützung zugesagt. Die beiden Banden folgen mit ihrem Schritt dem Beispiel des Nachbarlandes El Salvador, wo ein vor einem Jahr geschlossener Waffenstillstand die Mordrate um 45 Prozent verringerte.

Wie in El Salvador vermittelte auch in Honduras die Kirche zusammen mit der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS). Experten sind allerdings skeptisch, ob der Erfolg El Salvadors in Honduras wiederholt werden kann. Die honduranischen Gangs sind zersplitterter, und die Polizei ist dort tiefer ins organisierte Verbrechen verstrickt als in El Salvador. OAS-Unterhändler Adam Blackwell sagte, der Prozess werde sehr langwierig und erfordere viel Geduld. Aber es gehe darum, Leben zu retten.

Honduras ist mit einer Mordrate von 85,5 pro 100 000 Einwohnern weltweit Spitzenreiter bei Gewalttaten. Die Rate liegt höher als in Kriegsgebieten wie Irak, Afghanistan und Syrien. Ein gescheiterter, vom Drogenhandel unterwanderter Staat, korrupte Polizei und Justizbehörden, die politische Instabilität nach dem Putsch von 2009 und eine desolate Wirtschaftssituation haben zu der dramatischen Situation beigetragen. Zwei Drittel der Bevölkerung leben unter der Armutsgrenze. Sandra Weiss

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