Politik : In Köln ist die große Koalition geplatzt

Jürgen Zurheide

Köln - Das auf Bundesebene angestrebte Bündnis von Union und SPD hat sich in der Millionenstadt Köln als Fehlschlag erwiesen: Nach nur einem Jahr scheiterte die große Koalition im Kölner Rathaus am Freitag an Personalstreitigkeiten, wie beide Parteien nach einer Krisensitzung mitteilten. Die CDU als größte Ratsfraktion führte noch am Freitag erste Gespräche mit Grünen und FDP über eine mögliche Jamaika-Koalition.

Dem Scheitern der schwarz-roten Zusammenarbeit im Kölner Rat war eine mehrwöchige Koalitionskrise vorangegangen, deren Auslöser die Besetzung des Chefpostens bei den Stadtwerken mit einem SPD-Kandidaten war. Die CDU sah darin einen Bruch der Koalitionsvereinbarung, da die Personalentscheidung nicht unter den Koalitionären abgestimmt gewesen sei. Nach dem Krisengespräch wiesen sich beide Seiten die Schuld für das Platzen des Bündnisses zu.

Der Christdemokrat und Oberbürgermeister Fritz Schramma ist zwar bis 2009 gewählt, aber im Moment wagt niemand in der Domstadt eine Prognose, ob und in welcher politischen Konstellation er dieses Datum erreicht – die Parteien im Rat sind zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Da sind zunächst einmal die Christdemokraten. Sie hatten die Domstadt 1999 erobert und die 40 Jahre währende SPD-Vorherrschaft beendet, seither aber nicht immer glücklich agiert. Sie haben fast alle Koalitionskonstellationen geprobt, mal Schwarz-Gelb, dann sogar Schwarz-Grün und sind nach dem schlechten Abschneiden bei der Wahl im vergangenen Jahr bei dem Bündnis mit den fast gleichstarken Sozialdemokraten gelandet. Eine Liebesheirat ist das Bündnis nie gewesen.

Nach dem Bruch zeigten sich dann auch vor allem die Genossen zufrieden. „Wir gehen in die Opposition und werden jetzt beobachten, welch hohe Preise die CDU dafür zahlen muss“, freut sich SPD-Fraktionschef Martin Börschel. Denn er ist sicher, dass seine SPD über die Oppositionsbänke beim nächsten Mal ganz sicher wieder zurück an die Macht kommt.

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