Politik : In Moskau wartet Ärger

ELKE WINDISCH

MOSKAU .Siegesfanfaren erwarten Jelzins Jugoslawien-Chefunterhändler nach dem Durchbruch bei den Kosovo-Verhandlungen nicht.Wie sogar die staatsnahe russische Agentur Itar-Tass meldete, hat es am Vorabend der Einigung in der Delegation heftige Kontroversen gegeben.Vor allem die Militärs, die Tschernomyrdin begleiteten, warfen diesem zu große Nachgiebigkeit gegenüber der Nato vor.Die Generäle nehmen vor allem Anstoß an in letzter Minute von den USA erhobenen Forderungen, wonach der Kern der internationalen Friedenstruppe im Kosovo aus Nato-Kontingenten bestehen soll; auch aus solchen, die direkt Angriffe geflogen haben.Die Generäle monierten zudem, daß es Tschernomyrdin nicht gelungen sei, die Kommandofrage eindeutig zu klären.Zwar hatte dieser nach Abschluß der Bonner Gespräche mit dem finnischen Präsidenten Ahtisaari, US-Vizeaußenminister Talbott und Bundeskanzler Schröder erklärt, Rußland werde sich an der Friedensmission mit eigenen Kontingenten beteiligen, die aber nicht dem Nato-Oberbefehl unterstellt würden.Kurz danach hatte Nato-Oberbefehlshaber Clark gegen ein solches Verfahren jedoch Bedenken angemeldet und, nach russischer Darstellung, die Beteiligung Moskaus an der Mission als ein "bis auf weiteres offenes Problem" bezeichnet.

Die Ergebnisse der Bonner Runde hat auch die Duma am Donnerstag heftig kritisiert.Sowohl die Kommunisten und deren Verbündete, denen im Parlament nur wenige Stimmen zur absoluten Mehrheit fehlen, als auch die Ultranationalisten um Wladimir Schirinowskij und die sozialliberale Jabloko-Bewegung von Grigorij Jawlinskij sprachen sich gegen die Dominanz der Nato in der Friedenstruppe aus und forderten detaillierte Informationen über die mit Belgrad getroffenen Abmachungen.Dazu wurden für heute Außenminister Iwanow, Verteidigungsminister Sergejew und Tschernomyrdin zu einer Anhörung einbestellt.Die Kommunisten verlangten von Jelzin außerdem Tschernomyrdins Abberufung als Chefunterhändler.

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