Politik : In Ost-Timor haben die Vereinten Nationen offiziell die Verwaltung übernommen

Die frühere portugiesische Kolonie Ost-Timor ist am Dienstag offiziell unter das Mandat der UN-Übergangsverwaltung (Untaet) gestellt worden. Der UN-Sicherheitsrat hatte am Vorabend in New York die Einsetzung der Administration einstimmig beschlossen, zu der auch insgesamt 11 000 Soldaten, Militärbeobachter und Polizisten gehören. Die Blauhelm-Truppe soll die internationale Ost-Timor-Friedenstruppe Interfet nach dem Willen von UN-Generalsekretär Kofi Annan "so schnell wie möglich" ablösen.

Das Hauptaugenmerk der Untaet soll zunächst der Einrichtung eines Justizsystems und der Aufstellung einer Polizei gelten. Australien hat sich bereit erklärt, auch die neue vom UN-Sicherheitsrat beschlossene Friedenstruppe für Ost-Timor anzuführen. Chef der Untaet wird der Brasilianer Sergio Vieira de Mello.

Untaet wird unterstützt von 8950 Blauhelm-Soldaten, 200 Militärbeobachtern sowie 1640 Polizisten. Sie wird mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet und soll Ost-Timor in die Unabhängigkeit führen. Ihre Aufgabe ist es, eine "wirksame Verwaltung" aufzubauen. Die Sicherheitsrats-Resolution gibt der UN-Übergangsverwaltung das Recht, "alle gesetzgeberischen und exekutiven Vollmachten einschließlich der Justizverwaltung" wahrzunehmen.

Zivilverwalter De Mello wird am 10. November in Ost-Timor erwartet. Ihm werden zwei Stellvertreter zur Seite gestellt. Der 51-jährige Brasilianer ist Vize-Generalsekretär für humanitäre Angelegenheiten und gilt bei den Vereinten Nationen als der Mann für die schwierigen Fälle. Sein ganzes berufliches Leben hat De Mello im Dienste der UN verbracht und sich dabei vor allem humanitären Aufgaben in der Dritten Welt und vielen Krisengebieten gewidmet.

De Mello wurde am 15. März 1948 in Rio de Janeiro geboren und studierte in Paris Philosophie. Bereits mit 21 Jahren und noch als Student trat er 1969 in den Dienst der Vereinten Nationen und ging zum UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) nach Genf. Während seiner frühen Jahre war er für das UNHCR in Bangladesch, Südsudan und Zypern tätig. Vor allem seine jüngste Feldaufgabe als UN-Verwalter für das Kosovo und Vorgänger von Bernard Kouchner hat de Mello viel Anerkennung eingebracht.

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