In Peking : Krisentelefonate mit der Heimat

Christoph Sator

Während in der Heimat an seinem Stuhl gesägt wird, kümmert sich Außenminister Guido Westerwelle 7365 Kilometer fern der Heimat um die Beziehungen zu China. Dem 49-jährigen Noch-Parteichef ist die Müdigkeit anzusehen. Er hat den langen Nachtflug in den Knochen, nach der Ankunft Krisentelefonate mit Parteifreunden geführt, wegen der sechs Stunden Zeitunterschied schlecht geschlafen. Aber anmerken lässt er sich nichts. Bei den Auftritten mit den chinesischen Gastgebern ist Westerwelle die Freundlichkeit in Person. Vielleicht lässt er sich die Nachrichten aus der Heimat noch ein wenig häufiger bringen als ohnehin. Ansonsten spult er das Programm ab wie geplant: Tee mit Premierminister Wen Jiabao, Mittagessen mit dem chinesischen Kollegen und als Höhepunkt die Eröffnung einer großen Kunstausstellung aus Deutschland im Nationalmuseum (Seite 23). Die Themen: deutsch-chinesische Beziehungen, Atomkatastrophe in Japan, Krieg in Libyen. Beide Staaten haben sich enthalten. Auf den Machtkampf in der FDP geht Westerwelle in Peking überhaupt nicht ein. Nicht einmal in den Hintergrundgesprächen, die es auch bei solchen Reisen gibt, lässt er sich dazu ein Wort entlocken. Öffentliche Fragen nach dem Aufstand in seiner eigenen Partei bleiben dem Außenminister weitgehend erspart. Das liegt vor allem daran, dass es kaum Gelegenheit dazu gibt. Die kommunistischen Gastgeber haben ein anderes Verständnis von Pressefreiheit: Pressekonferenzen gibt es nicht. Einmal, am Rande des offiziellen Programms, wird der Außenminister aber doch um Auskunft gebeten, wie er den Zustand seiner Partei beurteilt. Die Antwort ist ganz knapp, dazu seltsam leise und matt: „Nein, danke.“ Man muss sich Mühe geben, Westerwelle zu verstehen. (dpa)

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