• In Sachsen ist der älteste Staatssekretär Deutschlands in den Ruhestand befördert worden

Politik : In Sachsen ist der älteste Staatssekretär Deutschlands in den Ruhestand befördert worden

Ralf Hübner

"Goldfinger" ist Geschichte. Der älteste Staatssekretär Deutschlands muss gehen. Der älteste amtierende Ministerpräsident, der knapp 70-jährige Kurt Biedenkopf, hat dem immer lächelnden 72-jährigen Karl-Heinz Carl die Hand zum Abschied gedrückt. Nun ist Carl das, was er nie werden wollte - Ruheständler. In der Landesbürokratie soll ein Aufatmen zu spüren gewesen sein.

Den ersten Sprung in den Ruhestand hatte der arbeitswütige, aber schon die Pensionierung fürchtende Bonner Spitzenbeamte Carl vermieden, als er sich 1991 in der Staatskanzlei von Sachsen-Anhalt meldete, wo er als "Beauftragter des Ministerpräsidenten für besondere Angelegenheiten" fungierte. Schon ein Jahr später kam Carl nach Sachsen, dessen sparsamer Finanzminister Georg Milbradt (CDU) preiswerte Fachleute schon immer zu schätzen wusste. Über das Einkommen des verdienten Staatssekretärs wurde oft spekuliert. Er bekomme, was er verdiene, hieß es offiziell. Die Bundespension, die Carl bezog, machte ihn für Sachsen jedenfalls billig. Und Milbradt wusste Carl zu schätzen, den erfahrenen Arbeiter ohne eigene Ambitionen (außer dem Wunsch nach spätem Ruhestand), dem schwierige Unterhandlungen anvertraut wurden.

Den Spitznamen "Goldfinger" hat sich Carl nicht mit gekonnten Finanzoperationen im Dienste des Freistaates verdient. Das geht auf eine alte, böse Geschichte im Jahr 1984 zurück. Damals war Carl noch Unterabteilungsleiter im Bundesfinanzministerium. Da soll er an der deutsch-luxemburgischen Grenze vom Zoll mit 20 Krügerand-Goldmünzen unter dem Autositz erwischt worden sein. Es wird kolpotiert, Carl habe auf die Zöllner eindringlich eingeredet. Das Gold habe er irgendwann bei deutschen Stellen gekauft und dann einfach im Auto vergessen. Diese Ereignisse seien nicht zutreffend, hieß es später amtlich. Dem muss wohl auch so gewesen sein, denn Carl stieg danach bis zum Staatssekretär und Chef der Haushaltsabteilung des Bundesfinanzministeriums unter Gerhard Stoltenberg (CDU) auf. Was blieb, war der dumme Namen.

Auch im Freistaat hatte Carl mit Edelmetall zu schaffen. Mit den Wettinern, den Nachfahren der sächsischen Könige, hat er über die Rückgabe von Gold, Silber und Kunstwerken verhandelt. Das hat Jahre gedauert, kam aber schließlich zu einem glücklichen Ende. Die Einführung des klassischen Glücksspiels in Sachsen erwies sich dagegen als kein so guter Gedanke. Die Schließung der Spielbanken und der Streit über die Abfindung der Mitarbeiter wurde von Carl gemanagt. Lange war um sein Ausscheiden spekuliert worden. Zuletzt konnte er noch die sächsische Landesvertretung in Berlin wachsen sehen. Dort wollte er, immer um Sparsamkeit bemüht, noch während seiner Rede zum Richtfest im Februar der Baufirma zwei Millionen Mark abhandeln. Den Berliner Unternehmer soll das damals ziemlich unbeeindruckt gelassen haben.

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