Politik : In Sarajevo wächst die Angst vor einem neuen Krieg

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Belgrad. Banges Abwarten bestimmte am Montag die Atmosphäre in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo. Ein US-Veto zur Verlängerung der UN-Mission in Bosnien-Herzegowina könnte alle Fortschritte in diesem vom Krieg zerstörten Land wieder ruinieren, sagte der bosnische Ministerpräsident Dragan Mikerevic laut Agenturberichten am Montag in Sarajevo.

„Wir sind besorgt“, sagte der Sprecher des Außenministeriums über den New Yorker Streit um die Verlängerung den UN-Mandats für Bosnien. Sein Land hofft auf ein Verbleiben der Truppe für weitere sechs Monate und den anschließenden Einsatz europäischer Polizeikräfte. „Wir sind ein kleiner Staat und haben keinen Einfluss auf globale Entscheidungen", sagte Kapitanovic. „Wir können nur appellieren, die Stabilität in Bosnien-Herzegowina nicht zu gefährden."

Die wichtigste bosnische Zeitung „Dnevni Avas“ titelte am Montag bereits „Friedensprozess in Gefahr". Ihr Chefredakteur Sahrudin Djato sagte, ein möglicher Rückzug der USA wäre für das Land, das erst den halben Weg zum Frieden gegangen sei, „traumatisch“. Seine Kollegin, die Chefredakteurin von „Oslobodenje“, Senka Kurtovic, sagte: „Wir haben Angst vor einem neuen Krieg.“ Die UN-Mission sei die Garantie für Frieden in Bosnien. Auch fürchteten derzeit viele Bosnier, die bei UN-Organisationen arbeiten, um ihren Arbeitsplatz.

„Wir sind hier in der Warteschleife“, sagte die Sprecherin der UN-Mission in Sarajevo, Kirsten Haupt. Die rund 3000 Beschäftigten arbeiten bislang wie gewohnt. „Es gibt keinen Grund schwarz zu malen“, sagte die Sprecherin. Hauptaufgabe der UN-Mission ist die Restrukturierung der Polizeikräfte in Bosnien-Herzegowina.

Bei der Sfor-Friedenstruppe sagte ein Sprecher, große Veränderungen seien nicht zu erwarten. Der von der Nato geführte Friedenseinsatz sei nicht vom UN-Mandat abhängig, sondern durch den Dayton-Vertrag von 1995 autorisiert, der den Bosnien-Krieg beendete. Gemma Pörzgen

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